Suzuki verpasst VW eine Ohrfeige

Tokio - Eigentlich will Volkswagen derzeit nur mit seinem neuen Kleinwagen Up auf der Automesse IAA Schlagzeilen machen. Doch dann kommen Störmanöver aus dem fernen Japan - Suzuki will den Partner VW loswerden. Und jetzt?

Für die erfolgsverwöhnte VW-Führung um den mächtigen Patriarchen Ferdinand Piëch und Cheflenker Martin Winterkorn ist es schon der dritte Dämpfer in Folge. Erst stoppten EU-Einwände den Durchmarsch bei MAN, dann musste VW bekennen, dass der Zeitplan der Fusion mit Porsche nicht zu halten ist und nun eskaliert der Streit mit Suzuki. Der japanische Autobauer kündigt VW öffentlich die Freundschaft. Das stört die Strahlkraft des lange Zeit unerschütterlich scheinenden Autobauers auf seinem Weg an die Spitze der Autowelt - und das ausgerechnet unmittelbar vor der weltgrößten Automesse IAA in Frankfurt.

Seit Monaten läuft bei Europas größtem Autobauer alles reibungslos - der Aufstieg zum Auto-Olymp scheint nicht zu stoppen. Doch hat VW die Risiken unterschätzt, die offenen Baustellen zu wenig beachtet? Am Drang zur Größe sind schon andere in der Branche gescheitert. Der amerikanische Autoriese General Motors verzettelte sich in der Ansammlung zu vieler Marken, bei Toyota häuften sich als Nummer eins die Rückrufe. Auch Winterkorn sind die Risiken bewusst. VW müsse die Bodenhaftung behalten und aufpassen, nicht zu überdrehen, hat er immer wieder hervorgehoben.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wirft der VW-Spitze vor, sie habe die Japaner von Anfang an übernehmen wollen. Winterkorn habe versucht, die stolzen Japaner zu übertölpeln. Dafür erhalte er jetzt die Quittung. Für VW sei der Bruch mit Suzuki schlecht, denn der Wolfsburger Konzern habe trotz vieler Marken bisher keine Kompetenz bei Billigautos - eines der am schnellsten wachsenden Marktsegmente weltweit. “VW verliert durch Suzuki wichtige Zeit und Marktanteile in Schwellenländern wie Indien“, schreibt Dudenhöffer.

Tatsächlich gehört der stark aufstrebende indische Markt zu den Regionen, wo Volkswagen sich besonders viel von der Partnerschaft mit Suzuki versprochen hat. Denn das Gemeinschaftsunternehmen von Suzuki und Maruti, an dem die Japaner die Mehrheit halten, ist dort der Platzhirsch. Volkswagen hätte sich wohl gut vorstellen können, gemeinsam mit dem Partner dort ein Modell für den Subkontinent zu bauen. Denn billige Kleinwagen, die nach Prognosen vieler Experten in Zukunft über Erfolg und Misserfolg entscheiden, rechnen sich nur bei lokaler Produktion.

Eine langfristige strategische Partnerschaft war das erklärte Ziel der gegenseitigen Beteiligung im Dezember 2009. Volkswagen steckte immerhin 1,7 Milliarden Euro in das Projekt. Ungeachtet der brüsken Zurückweisung aus dem fernen Osten will VW deshalb auch an der Beteiligung festhalten. “Wir sehen die Entwicklung als bedauerlich an“, sagte ein Sprecher.

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Den Vorwurf aus Japan, VW habe die Unabhängigkeit von Suzuki in Frage gestellt, weist VW zurück. Volkswagen habe immer deutlich gemacht, dass Suzuki als unabhängiges Unternehmen angesehen werde. Wie es jetzt weitergeht, ist fraglich.

Aber Marktbeobachter wie der Autoexperte der NordLb, Frank Schwope, halten das Festhalten an dem Investment für durchaus sinnvoll: “Das ist sicher nicht perspektivlos.“ Streit könne man schlichten, sagt Schwope. Und VW habe genug Geld in der Kasse, um abwarten und die Angelegenheit aussitzen zu können. “VW ist nicht auf Suzuki angewiesen.“ Schwope verwies auf den stolzen schwedischen Lastwagenbauer Scania, auch in diesem Fall habe es viele Jahre gedauert, bis VW dort schließlich die Mehrheit übernommen habe.

Der asiatische Markt jedenfalls dürfte im Visier der Wolfsburger bleiben. Vor einigen Monaten hatte es Gerüchte um ein Interesse an dem japanischen Transporterbauer Isuzu gegeben. Diese wurden von dort zwar zurückgewiesen und bei VW hieß es, eine solche Beteiligung stehe derzeit nicht an. Aber VW-Patriarch Piëch handelte schon mehr als einmal nach der Devise in dem bekanntesten Werbeslogan seines Erzrivalen: “Nichts ist unmöglich.“ Die leichte Nutzfahrzeugsparte hat Lücken in den asiatischen Märkten. Gegen die dortigen Hersteller kann sie ohne lokale Produktion aber preislich kaum konkurrieren.

dpa

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