Swiss entscheidet sich gegen Lufthansa

- Zürich/London/Frankfurt - Die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swiss hat sich gegen eine Übernahme durch die Lufthansa entschieden und tritt stattdessen der weltweit größten Flugallianz Oneworld um British Airways (BA) bei. Zugleich unterzeichneten Swiss und BA am Dienstag in Zürich eine Absichtserklärung für ein Joint Venture. Die europäischen Wettbewerbshüter werden die Allianz zwischen Swiss und der BA voraussichtlich genehmigen.

Weiterhin ungeklärt ist dagegen die Finanzierung eines Kredits in Höhe von 500 Millionen Franken (322 Mio Euro) für die Swiss. Während der Beitritt zu Oneworld in der Schweiz ein geteiltes Echo auslöste, setzte die Swiss-Aktie zum Höhenflug an und legte bei Handelsbeginn an der Börse in Zürich um 25 Prozent auf 21,05 Franken zu.<BR><BR>Von Seiten der Lufthansa hieß es, die Entscheidung sei kein Verlust für das deutsche Unternehmen. "Die Lufthansa gerät dadurch nicht unter Druck", sagte Sprecher Klaus Walther. Das gemeinsam erarbeitete Geschäftsmodell hätte einen Zusammenschluss und eine Integration der Swiss in den Lufthansa-Konzernverbund vorgesehen. Das Modell sei aber gescheitert, weil die Swiss-Investoren nicht bereit gewesen seien, die dafür notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen.<BR><BR>Die Entscheidung drückte die Lufthansa-Aktie an der Frankfurter Börse bis zum Nachmittag auf 12,09 Euro um 2,26 Prozent ins Minus. Die Aktie von British Airways sackte in London am Vormittag um 3,53 Prozent auf 177,75 Pence. "Die Tatsache, dass die Swiss sich für den Konkurrenten British Airways entschieden hat, ist für die Lufthansa wie eine Ohrfeige. Es schadet dem Image", sagte Analyst Ulrich Horstmann von der Bayrischen Landesbank.<BR><BR>Swiss-Konzernchef Andr Dos bezeichnete den Beitritt zu Oneworld als beste Lösung für Mitarbeiter, Aktionäre und die Schweiz. Die Allianz biete auch bessere Möglichkeiten für den Ausbau des Flughafens Zürich-Kloten als Drehscheibe. Swiss verspreche sich Einsparungen in Höhe von 100 Mio Franken pro Jahr.<BR><BR>BA-Vorstandschef Rod Eddington erklärte, von der Verbindung würden sowohl British Airways als auch die neue Swiss profitieren. Swiss verfüge über ein "Qualitätsprodukt", ein gutes Netz von Flugverbindungen und eine wichtige Basis in Zürich. Damit bilde die Gesellschaft die logische Ergänzung von Oneworld in Zentraleuropa. BA sagte der Swiss eine Garantie in Höhe von 50 Mio Franken zu. Außerdem erwirbt die BA acht der bisher 14 täglichen Slots der Swiss am Flughafen London-Heathrow.<BR><BR>Die Swiss benötigt nach den Worten von Dos weiterhin eine Liquiditätsreserve zur Absicherung gegen Risiken wie beispielsweise eine neue Sars-Krise. Es habe konstruktive Gespräche mit Schweizer Großbanken, Aktionären und der Regierung gegeben.<BR><BR>Zur Luftfahrtallianz Oneworld gehören neun Fluggesellschaften, darunter American Airlines, Qantas, Cathay Pacific und Iberia. Oneworld bedient täglich mit über 8600 Flügen mehr als 570 Destinationen in 136 Ländern. Die Allianz transportierte im vergangenen Jahr rund 220 Millionen Passagiere und hat weltweit rund 250 000 Mitarbeiter.<BR><BR>Swiss wird nach den Worten von Dos weiter an einer Senkung der Kosten arbeiten. Die Zahl der Flugzeuge sei bereits von 137 auf 79, das Angebot um 35 Prozent verringert worden. Der Abbau von Arbeitsplätzen solle bis zum Jahresende abgeschlossen sein.<BR><BR>In der Schweiz warnten Experten vor einem Preiskrieg mit der Lufthansa. Außerdem seien die großen Probleme wie die Kosten und die fehlenden Kredite nach wie vor nicht unter Kontrolle. Dagegen begrüßten die Flughafen-Standorte Zürich und Basel die Entscheidung. Die Gewerkschaften reagierten von zustimmend bis skeptisch.<BR><BR>Swiss war aus den Fluglinien Swissair und Crossair hervorgegangen und Anfang April 2002 gestartet. Nach eigenen Angaben hat Swiss im ersten Halbjahr 2003 bei einem Umsatz von rund 2,1 Milliarden Schweizer Franken Verluste in Höhe von 333 Millionen Franken eingeflogen. Die Swiss beförderte im ersten Halbjahr rund 5,5 Millionen Passagiere und hatte Ende Juni mehr als 9300 Mitarbeiter. <BR>

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