T-Service geht an den Start

Bonn - Mangelnde Hartnäckigkeit kann man Telekom-Lenker René Obermann nicht nachsagen: Der Vorstandschef des Bonner Riesen hat sich beim umstrittenen Stellenumbau des Konzerns letztlich gegen größtmögliche Widerstände der Gewerkschaft Verdi durchgesetzt. Den Schlussakkord setzten die Telekom-Beschäftigten selbst, die in einer Urabstimmung für die Annahme eines Kompromisses zwischen Verdi und Management über die Konditionen der umstrittenen Auslagerung von 50\x0f000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften stimmten (wir berichteten).

Damit geht der größte Arbeitskonflikt in der Geschichte der Telekom zu Ende. Nun kann Obermann den Umbau zügig umsetzen und er hat dabei den wichtigsten Partner mit ins Boot genommen ­ die Gewerkschaft Verdi. Gestern ging formal mit dem Betriebsübergang die neue T-Service GmbH mit drei Gesellschaften (Callcenter, technischer Kundendienst, technische Infrastruktur) an den Start. Damit beginnt für rund 50 000 Telekom-Mitarbeiter, darunter 20 000 Beamte, ein neuer Abschnitt in ihrer Arbeitswelt.

Mit der Einigung zum Konzernumbau hatten Telekom und Verdi vor eineinhalb Wochen den Grundstein zur Beilegung des Arbeitskonflikts gelegt. Dazu beigetragen haben vermutlich mehrere Faktoren: Der Streik ­ wenngleich er nicht die Grundfesten des Konzerns erschütterte ­ hinterließ offenbar die ersten Spuren in den Geschäftszahlen. Verdi zufolge sollen durch den fünf Wochen andauernden Arbeitskampf zahlreiche Aufträge liegen geblieben sein.

Diesen Stau konnte sich die Telekom angesichts des anhaltenden Kundenschwundes ebenso wenig auf Dauer leisten wie den zunehmenden Druck aus der Öffentlichkeit und Stimmen aus Eigentümerkreisen, die nach einer schnellen Einigung riefen. Letztendlich ging es um das Image eines Unternehmens, an dem der Bund direkt und indirekt mit mehr als 30 Prozent beteiligt ist. Dass der enge Zeitplan des Vorstandes eingehalten wurde, ist aber auch dem neuen Personalchef Thomas Sattelberger zu verdanken, der für frische Impulse bei den festgefahrenen Verhandlungen sorgte.

Wer am Ende des monatelangen Konflikts die besseren Karten hatte, lässt sich schwer sagen. Von Anfang an war klar, dass Verdi den Umbau nicht verhindern konnte. "Die Strategie ist alternativlos" beteuerte Obermann immer wieder. Letztlich ging es nur noch darum, beim Transfer möglichst günstige Konditionen für die Beschäftigten herauszuholen. Und das ist Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder, vor allem beim Kündigungsschutz und beim finanziellen Ausgleich für Gehaltskürzungen gelungen. Den vielfach beschworenen tiefen Griff in die Taschen der Beschäftigten wird es nicht geben.

Die Telekom wird indes bei den Sparprogramm Abstriche machen müssen, liegt aber nach eigenen Angaben weiter im Zielkorridor von 500 Millionen bis 900 Millionen Euro. Sparen wird der Konzern vor allem bei künftigen Gehaltszuwächsen, die niedriger ausfallen werden und durch das Hereinholen von Fremdaufträgen. Und mit T-Service soll der Service der Telekom endlich abheben, hofft Obermann.

Mit dem Ende des Arbeitskonflikts können sich Obermann und seine Vorstandskollegen wieder voll auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Die Telekom steht unter Druck, die schwächelnde Festnetzsparte wieder in Schwung zu bringen und etwas für den siechenden Kurs der T-Aktie zu tun. T-Service ist dabei nur ein Baustein.

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