T-Shirts im Test: Schlappe Nähte - schlechte Form

München - T-Shirts gehören heute zur textilen Grundausstattung. Doch viele sind nach wenigen Wäschen ausgeleiert und verwaschen. Die Stiftung Warentest hat die Qualität von schwarzen Basis-Shirts und T-Shirts mit Aufdruck getestet - auf Schadstoffe, Haltbarkeit und Passform - mit mäßigen Ergebnissen.

Ob teuer oder billig - bei T-Shirts können Verbraucher nicht zwingend auf die Qualität schließen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Stiftung Warentest, die Produkte zwischen 2,99 und 40 Euro unter die Lupe genommen hat.

Waschen schadet der Form

Viele Basis-T-Shirts haben Verarbeitungsmängel wie lose Nähte, Maschenschäden, unsymmetrische Halsausschnitte und Färbefehler. Auch die schlechte Passform neuer Shirts fällt auf. Nach der fünften Wäsche sitzt nur noch jedes zweite Basis-Shirt richtig - die anderen waren zu kurz oder zu weit geworden oder hatten sich verdreht. Außerdem ging teilweise die Elastizität verloren, Kragen und Bündchen waren hell gescheuert und das einstmals satte Schwarz war einem tristen Grau gewichen. Die Aufdrucke veränderten durchs Waschen häufig ihre Farben, Applikationen blätterten ab und Schmucksteine gingen verloren. Viele T-Shirts färbten überdies wegen hoher Farbüberschüsse ab, manche sogar durch einfaches Schwitzen.

Tendenziell zeigt sich, dass Basis-T-Shirts für wenig Geld oft auch weniger Qualität bieten (siehe Tabelle). Die schwarzen Shirts unter 10 Euro liegen in puncto Haltbarkeit oder Passform größtenteils auf den hinteren Rängen, darunter alle Shirts der Textilketten Ernsting’s family, Kik, NKD und Takko sowie die Marken C&A, Peek&Cloppenburg, Zara und Zero. Bis auf Ernsting’s family, Zara und Zero sind diese Shirts auch alle schlecht verarbeitet. Den schlimmsten Eindruck bei der Haltbarkeit hinterlassen die Basis-T-Shirts von Kik, NKD und Takko.

Keine Schadstoffe im Textil

Aber auch teure Basis-T-Shirts garantieren nicht immer gute Qualität. Die Shirts von Otto für 18 und Panda für 20 Euro, beide aus Biobaumwolle, passten weder neu noch gewaschen richtig. Das Trigema-Shirt für fast 28 Euro hatte schon vor der Wäsche Maschenschäden sowie unsaubere Nähte und war nach wenigen Wäschen verwaschen.

Gut sind nur drei Basis-Shirts: Esprit und Tom Tailor für je 16 Euro und das T-Shirt von Hessnatur für rund 18 Euro, das aus Biobaumwolle gefertigt ist und mit dem Gots-Siegel ökologische und soziale Produktionsbedingungen berücksichtigt. Von den bedruckten T-Shirts machten nur vier auch nach 20 Wäschen noch einen guten Eindruck: Armedangels, H&M, S.Oliver und Trigema.

Das Ergebnis der Schadstoffprüfung ist zweigeteilt. Erfreulich: In keinem einzigen T-Shirt wurden Schadstoffe im Textil gefunden, weder in den Basis-Shirts noch in den bedruckten Shirts. Allerdings enthalten viele Aufdrucke problematische Substanzen, die beim Tragen auf die Haut gelangen können. So enthalten mehrere Applikationen Formaldehyd, vergleichsweise viel davon steckte in dem Aufdruck von NKD. Formaldehyd kann Allergien auslösen und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Aufdrucke von Esprit Sports, Takko und Tom Tailor enthalten Dibutylzinnverbindungen, von denen einzelne die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen können. Nur die Hälfte der bedruckten T-Shirts ist schadstofffrei.

Weite Reise der Kosten wegen

Ein T-Shirt reist einmal um die halbe Welt, bevor es im Laden landet, weil die Firmen es zu möglichst günstigen Bedingungen herstellen lassen. Auch der Weg der 20 Basis-T-Shirts aus dem aktuellen Test führte oft über mehrere Kontinente, bis sie in deutsche Modefilialen kamen. Das ergab der CSR-Test (Corporate Social Responsibility, CSR) der Stiftung Warentest. Die Stiftung recherchierte, inwieweit sich die Anbieter der T-Shirts freiwillig für Mitarbeiter und Umwelt in den Produktionsländern einsetzen. Es wurden 14 Nähereien und 9 Färbereien weltweit besucht: in Bangladesch, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Estland, Indien, Litauen, Mauritius, Portugal und in der Türkei.

Starkes Engagement zeigte demnach nur Naturmodeanbieter Hessnatur. Als einziger konnte er den Anbau und die Weiterverarbeitung der Baumwolle, in seinem Fall Biobaumwolle aus Burkina-Faso, bis zum fertigen T-Shirt überblicken. Armedangels - ein junges Modelabel aus Köln - sowie C&A, Esprit, Panda, Peek&Cloppenburg und Trigema sind engagiert.

Von Bioanbietern enttäuscht

„Insgesamt überzeugten die Bioanbieter weniger als erwartet“, schreiben die Tester. So konnte CSR-Pionier Otto nicht lückenlos beweisen, dass sein T-Shirt aus Biobaumwolle besteht. Und das, obwohl für jede Stufe - vom Anbau bis zum Händler - Zertifikate vorliegen müssten. Auch bei den T-Shirts von Armedangels, Panda und Trigema, alle drei aus Biobaumwolle, sei nicht klar, ob beim Anbau Biokriterien eingehalten wurden. „Somit bleiben Zweifel, ob jene T-Shirts wirklich aus 100 Prozent Biobaumwolle sind“, urteilen die Tester.

Gar keine Einblicke in ihre CSR-Firmenpolitik gaben H&M, Mexx, NKD und Zero. „Gerade H&M enttäuscht - immerhin eine der erfolgreichsten Modeketten in Europa, die seit Jahren an einem grünen Image feilt“, meint Stiftung Warentest.

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