Bei Tabakfirmen qualmen die Köpfe

- Hamburg - Die geplante Erhöhung der Tabaksteuer um einen Euro je Schachtel hat die deutsche Zigarettenindustrie unerwartet getroffen. Die Branche leidet noch unter den Folgen der beiden Erhöhungsrunden, die ihnen die Regierung nach dem Anschlag vom 11. September 2001 zur Finanzierung von Anti-Terror-Maßnahmen verordnet hat. Nun werden Raucher und Industrie schon wieder kräftig zur Kasse gebeten, diesmal zu Gunsten des Gesundheitswesens.

<P>In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist der Zigarettenabsatz um 6,6 Prozent zurückgegangen. Mit diesem Rückgang reiht sich die Zigarettenindustrie in den Trend für andere Konsumprodukte ein. So ging der Bierabsatz um 10,5 Prozent zurück und der Benzinverkauf um 9,1 Prozent. Die Zigarettenhersteller machen neben der Konsumschwäche vor allem die höheren Steuern seit dem 1. Januar 2003 für den Rückgang verantwortlich, die den Preis für eine Schachtel über die Schwelle von drei Euro gehoben haben.</P><P>Wenn die Schachtel Zigaretten nun demnächst mehr als vier Euro kosten sollte, werden nach den Erwartungen der Branche deutlich weniger Verbraucher zur Zigarette greifen. "Dieser Rückgang müsste durch eine zusätzliche Preiserhöhung ausgeglichen werden, um die Wirtschaftskraft zu erhalten", heißt es mit drohendem Unterton beim Verband der Cigarettenindustrie (VdC). Ohnehin sehen die Hersteller in Deutschland einen gravierenden Arbeitsplatzverlust nebst Werkschließungen als unausweichliche Folge höherer Steuern. Bislang beschäftigt die Branche noch mehr als 10 000 Arbeitnehmer.</P><P>Seit dem Verkauf von des Hamburger Herstellers Reemtsma an die britische Imperial Tobacco sind alle großen Zigarettenfirmen in Deutschland Tochterunternehmen internationaler Konzerne. Die wollen zwar gern im ertragreichsten europäischen Markt ihre Produkte verkaufen, müssen aber nicht unbedingt hier produzieren.</P><P>Zigaretten sind neben Benzin die am höchsten besteuerten Produkte in Deutschland; ein Gang in den Tabakladen gleicht dem Weg ins Finanzamt. Von dem Branchenumsatz von 21,6 Milliarden Euro landeten im vergangenen Jahr 16,2 Milliarden Euro in den Kassen von Hans Eichel. Wenn die Verbraucher dieses Spiel nicht mehr mitmachen wollen, müssen sie aufhören zu rauchen. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt rechnet mit 20 Prozent weniger Rauchern.</P>

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