Täuschung vor dem Börsengang: Doch die Telekom kommt davon

- Bonn - Gute Nachrichten für die Deutsche Telekom: Nach fast fünf Jahren zäher Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Bonn das Verfahren wegen des Verdachts der milliardenschweren Falschbewertungen von Immobilien im Börsenprospekt der T-Aktie vorläufig eingestellt. Doch kommt der Konzern nicht ungeschoren davon. Er muss fünf Millionen Euro an eine gemeinnützige Einrichtung überweisen. Zwei Telekom-Manager und vier Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft müssen außerdem zwischen 20 000 und 250 000 Euro an die Staatskasse zahlen.

<P>Es ging um die überhöhte Bewertung des Immobilienvermögens vor dem Börsengang der T-Aktie im Jahr 1996. Die Staatsanwaltschaft sah nach ihren Untersuchungen einen hinreichenden Tatverdacht, dass der Wert der Immobilien von der Telekom um mehr als zwei Milliarden Mark zu hoch angesetzt worden war. Damit seien die Verhältnisse "in strafrechtlich relevanter Weise" falsch dargestellt worden, hieß es.<BR><BR>Es ging um fast 35 000 Grundstücke der Telekom vom Fernmeldeturm auf dem flachen Land bis zur Konzernzentrale in Bonn. Die beauftragten Prüfer bewerteten die Immobilien nicht einzeln, sondern nach der so genannten Cluster-Methode. Die Objekte wurden nach Funktionen und Lage eingeteilt und der Wert geschätzt.<BR><BR>Dass es dabei im Einzelfall zu gravierenden Fehlern kam, ist unbestritten. Die Telekom musste den Wert ihrer Immobilien 2001 um knapp 3 Milliarden Euro nach unten korrigieren. Ob dies strafbar war, bleibt nun ungeklärt.<BR><BR>Die Einstellung beinhaltet trotz der Geldauflagen kein Schuldanerkenntnis, wie ein Telekom-Sprecher betonte. Die betroffenen Manager können sich weiter als unschuldig bezeichnen.<BR><BR>Doch der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft Friedrich Apostel betonte: "Die Erkenntnisse hätten ausgereicht für eine Anklage." Dass es nicht dazu kam, begründete die Staatsanwaltschaft mit der langen Ermittlungsdauer und den persönlichen Belastungen, die sich daraus für die betroffenen Manager ergeben hätten. Außerdem sei auch nach einem möglicherweise Jahre dauernden Prozess ein anderes Ergebnis nicht zu erwarten, als es jetzt mit den Auflagen erreicht worden sei. Laut Strafprozessordnung ist eine Einstellung des Verfahrens möglich, "wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen wäre und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht".<BR><BR>Einer der Beschuldigten, der frühere Finanzvorstand der Deutschen Telekom Joachim Kröske, betonte, er empfinde über den Schritt der Staatsanwaltschaft "eine persönliche Erleichterung, allerdings keinerlei persönliche Genugtuung". An einem vollständigen Freispruch im Gerichtsverfahren habe für ihn nie ein Zweifel bestanden. <BR><BR>Bei Aktionärsschützern sorgte die Einstellung für Enttäuschung. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sagte in Düsseldorf: "Das ist nicht das, was wir uns erhofft haben." Negativ werten die Aktionärsschützer vor allem die Auswirkungen auf das parallel laufende Verfahren vor dem Landgericht Frankfurt, wo mehr als 15 000 Anleger von der Telekom Schadenersatz verlangen.<BR><BR>Für die Zivilkläger in Frankfurt sei dies ein schlechter Tag, sagte Kurz. Denn damit sei die Hoffnung zerstört, dass in einem Strafprozess hilfreiche Informationen an die Öffentlichkeit gelangten. Die Chancen der Prospekthaftungsklage seien damit deutlich gesunken.</P>

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