Taktische Schnäppchenjagd

München - Geldsparen beim Geldausgeben - das geht nur bei Niedrigpreisen. Sonderangebote gibt es immer wieder. Aber wann ist was besonders günstig? Wir geben Tipps zur taktischen Schnäppchenjagd.

Festen Regeln folgt der Einzelhandel schon lange nicht mehr. Alles geht viel schneller, Trends kommen und gehen in immer kürzeren Abständen. Das Wetter mischt kräftig mit, genauso wie die Rohstoffpreise oder die Kauflaune der Kunden. Hier dem Verbraucher eine „richtige“ Einkaufsstrategie an die Hand zu geben, sei nicht möglich, meint Kai Falk, Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE). Schließlich seien die Preise immer in Bewegung. Und doch gibt es einige Verhaltensweisen, mit denen sich viele Euros sparen lassen.

Ausdauer zeigen

Wer etwas unbedingt jetzt sofort braucht, hat generell schlechte Karten. Unter Zeitdruck macht man sich kaum die Mühe, Preise zu vergleichen oder den Verkäufer nach möglichen Rabatten zu fragen. Auch beim Interneteinkauf tappt man schnell in die Kostenfalle - etwa bei den Transportkosten - geht man nicht konzentriert vor.

Gegen den Strom

„Als Kunde kann man im Vorteil sein, wenn man antizyklisch handelt“, so die Erfahrung von Christian Fronczak, Sprecher des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) in Berlin. Also nicht in der hektischen Vorweihnachtszeit wo jeder nach Geschenken sucht. Das sieht HDE-Sprecher Falk als Verbandssprecher naturgemäß anders. Auf die Käufer warten im Advent attraktive Preise, sagt er. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Es kommt vor allem auf das Produkt an. „Bei einzelnen Sortimenten können die Preise nach Weihnachten runtergehen“, räumt auch Falk ein. Unmittelbar nach den Feiertagen stehe „sehr schnell die neue Saison an“. Dann müssen die Lager leer sein.

Beispiel Möbel, Deko und Einrichtungsgegenstände: Hier gibt es vieles mit dem Modellwechsel im Januar oft noch günstiger. Die traditionellen „weißen Wochen“ mit kräftigen Nachlässen auf Geschirr und Haushaltswaren sind schon seit Jahren der Geheimtipp für Kenner - und Tradition im Handel. Der Januar gilt als klassischer Ausverkaufs- und Schlussverkaufsmonat.

Auch die Warenhäuser müssen jetzt ihre Lagerräume leer kriegen - oft sind es nur mehr Restposten, die günstiger angeboten werden. Doch wenn das Wetter sehr mild war, dann kann man damit rechnen, dass noch jede Menge dicke Wintersachen in den Winterschlussverkauf gehen. „Wenn in einem strengen Winter Wintermode oder Wintersportartikel extrem nachgefragt werden, sind Nachlässe hier eher unwahrscheinlich“, sagt HDE-Sprecher Falk.

Dasselbe Prinzip gilt im Sommer. Da geht es bereits im Juli mit Rabattaktionen los - und je mehr Regen, desto mehr Sonderangebote.

Lohnend ist es auch, bereits bis März an den Sommerurlaub zu denken, denn nur bis dahin gibt es die Frühbucherrabatte der Reiseveranstalter.

Günstig kann es sein, gegen Ende der Wintersportsaison nach neuen Skiern oder Snowboards zu suchen - wenn es nicht stört, in der kommenden Saison nicht das neueste Modell unter den Füßen zu haben.

Vorausschauend einkaufen schont den Geldbeutel auch in Sachen Winterreifen. Wer im August oder September nach Angeboten sucht, wird mehr Erfolg haben als im November oder Dezember.

Mit dem Strom

Bei anderen Produkten kann es günstiger sein, mit dem Strom zu schwimmen. Zum Schulbeginn beispielsweise rechnen die Händler mit sehr hohen Verkaufszahlen bei Heften, Stiften, Schulranzen. „Dadurch sind Aktionen für ausgewählte Artikel wahrscheinlicher“, erklärt Falk. Mit Rabattaktionen im Outdoor- oder Campingbereich machen die Händler erst Umsatz, wenn die Temperaturen steigen und die Kunden wieder ans Zelteln denken.

Elektroartikel sind als Geschenke immer beliebter, daher kann es auch während der Vorweihnachtszeit regelrecht Kampfpreise geben. Messen, wie jetzt im März die Cebit, haben kaum mehr Einfluss auf den Handel, sagt ein Sprecher der Branchenverbands Bitkom. Die Hersteller bringen Neuheiten unabhängig von diesen Terminen in den Handel.

Generell gilt aber auch hier: Wer nicht das neueste Gerät sucht, kann mit einem Vorgänger-Modell Geld sparen.

Saisonzeit beachten

„Wenn eine Saison oder ein Produktzyklus sich ihrem Ende neigen, gibt es eher Preisnachlässe“, sagt HDE-Sprecher Falk aus Berlin. Wer demnach ein neues Fahrrad braucht, könnte im Februar Glück haben, denn Ende Januar kommen die neuen Modelle in den Handel. Mehr noch als der Modellwechsel spielt allerdings auch hier das Wetter eine Rolle, heißt es beim Branchenverband Zweirad. War die Saison regnerisch und kalt, stehen im Winter noch viele herrenlose Drahtesel in den Geschäften.

Ganz anders verhält sich die Sache mit der Saison bei Obst und Gemüse. Da gilt: Saisonzeit ist Niedrigpreiszeit. In den Monaten Juni und Juli kommen zu den importierten Salatköpfen und -gurken auch die aus Deutschland hinzu. Dieses Überangebot lässt den Preis sinken.

Kaum zu glauben, aber auch der Jahresrhythmus in Indien hat Folgen für unsere Preise. Im Oktober beginnt dort traditionell die Hochzeitssaison, was die Nachfrage nach Gold anheizt, den Gold-Preis steigert und letztlich Gold-Schmuck im Herbst insgesamt verteuert.

von Stefanie Backs und Berrit Gräber

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