Talfahrt gestoppt: Unternehmen beurteilen Aussichten besser

- München - Die deutsche Wirtschaft ist dabei, ihre Schwächephase der vergangenen Monate zu beenden. Darauf deutet zumindest die erstmals seit Januar wieder bessere Stimmung der heimischen Unternehmen hin. Beim viel beachteten Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung ist die Talfahrt der deutschen Wirtschaft gestoppt.

Im Juni ist dieser Frühindikator der ökonomischen Entwicklung gegenüber Mai von 92,9 auf 93,3 Prozent gestiegen, nachdem er zuvor viermal in Folge geschrumpft war, teilte das Münchner Institut mit.

Spürbar aufgehellt hätten sich vor allem die Geschäftsaussichten der befragten 7000 Firmen für die nächsten sechs Monate, während die Einschätzung der aktuellen Lage nur leicht besser wurde, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Es sei allerdings zu früh, daraus bereits auf eine konjunkturelle Besserung für die nächsten Monate zu schließen.

Andere Konjunkturexperten reagierten dennoch erleichtert auf den gestoppten Abwärtstrend. Zwar ist das zweite Quartal 2005 in Deutschland nach allgemeiner Einschätzung deutlich schwächer ausgefallen als die ungewöhnlich wachstumsstarken Monate Januar bis März. Die wieder besser werdende Stimmung in der Wirtschaft zeige aber, dass es eine Chance auf Belebung der Wachstumskräfte im zweiten Halbjahr und vor allem zum Ende des Jahres gibt, hoffen viele Ökonomen.

Mehr Zuversicht herrschte im Juni speziell im Handel, geht aus dem Ifo-Klimaindex hervor. Die Industrie verharrt dagegen stimmungsmäßig auf dem Niveau des Vorjahres, während der seit einem Jahrzehnt chronisch gebeutelte Bau seine Zukunft nochmals pessimistischer sieht. Allgemein habe die Chance auf baldige Bundestagsneuwahlen eine positivere Grundstimmung in der Wirtschaft erzeugt, meinte Ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb. Konsumhemmend könne sich dagegen noch die Debatte um eine steigende Mehrwertsteuer auswirken. Sein Ifo-Kollege Klaus Abberger verwies auf die Risiken, die im hohen Ölpreis liegen. Im Juni hätten die deutschen Firmen zwar ihre ohnehin guten Exportchancen wieder etwas besser eingeschätzt. Das gehe wohl auf den zuletzt schwächeren Euro zurück, der deutsche Waren im Ausland verbilligt.

Wenn der Ölpreis aber dauerhaft auf Rekordhöhen bleibt, werde das unweigerlich die globale Konjunktur dämpfen und damit auch die deutsche Exportwirtschaft. Noch gehe Ifo aber 2005 von einem Wachstum der heimischen Wirtschaft um 0,8 Prozent aus.

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