Tandem-Schere und "cooler Lippenstift" - Erfinder zeigen Neuheiten

Nürnberg - Der "coole Lippenstift", die Handy-Ladestation im Rucksack oder die Tandem-Schere - junge und etwas ältere Tüftler beweisen auf der weltweit größten Erfindermesse IENA in Nürnberg (1.- 4. November) wieder ihren Ideenreichtum.

Zwar klagt der Erfinder- Verband über die unzureichende Förderung in Deutschland, über Behinderungen durch die Großkonzerne und über die hohen finanziellen Belastungen, ehe eine Erfindung marktreif ist - an Kreativität aber zumindest scheint es nicht zu mangeln im "Land der Ideen".

Das zeigt zum Beispiel schon der neunjährige Samuel Danner aus dem niederbayerischen Fürstenzell mit seiner "Tandem-Schere": Zwei Scheren mit etwas Abstand miteinander verbunden, und schon ist der "konstant breite Schnitt für raffiniert gestaltete Kunst- und Bastelobjekte" möglich. "Man braucht dann nicht so lange", erklärte der junge Tüftler den Nutzen seiner Erfindung.

An die Vermarktung seiner Idee denkt er noch nicht. Da sind Timo Hafner und Maximilian Krummen schon einen Schritt weiter. "InductWarm" haben die beiden 18-jährigen Abiturienten aus Radolfzell am Bodensee ihre Erfindung genannt: Induktionselemente unter dem Büffettisch zum Warmhalten von Speisen. "So wird das Gericht unsichtbar warm gehalten", versprechen die beiden. Eine Hotelkette sei bereits sehr interessiert an der Idee, berichtet Hafner. Entstanden ist sie, "als wir uns in einem Restaurant am Stövchen verbrannt haben", erzählt der 18-Jährige.

Die beiden jungen Forscher wünschen sich nichts mehr als eine Umsetzung ihrer Idee zur Marktreife. Über mangelnde Förderung können sie sich nicht beschweren. "Wir sind toll unterstützt worden", erzählt Hafner - sei es von einem örtlichen Forschungszentrum, von der Industrie- und Handelskammer oder von Patentanwälten. Da hat der Vorsitzende des Deutschen Erfinder-Verbandes, Karl Bauch, freilich andere Erfahrungen gemacht. Ideenreichtum und Eigeninitiative würden in Deutschland geradezu bekämpft, klagt er.

Bauch verlangt vor allem eine Wiedereinführung der sogenannten Neuheits-Schonfrist. Denn zurzeit seien Erfinder gezwungen, ihre Innovationen anzumelden, ohne zuvor die Resonanz testen zu können. Dies führe zu enormen finanziellen Belastungen, die nur wenige freie Erfinder durchstehen könnten. Behindert sieht Bauch seine Kollegen vor allem durch Großkonzerne, die geniale Ideen einfach kopierten und den Tüftler später mit teuren Prozessen zu ruinieren drohen.

 Von solchen Szenarien lassen sich viele Kreative nicht abhalten. Sie hoffen aufs große Geschäft - und der "coole Lippenstift" könnte vielleicht eines werden. Nicht der Lippenstift ist freilich die Erfindung, sondern ein kleiner, eiförmiger Kühler für die Handtasche. Darin, so verspricht die Firma aus Neckarsulm, wird der Lippenstift nicht weich und läuft nicht aus. "Wir haben das auf einer Kosmetikmesse in Dubai vorgestellt, mit riesiger Resonanz", freut sich Firmen-Mitinhaberin Linda Rampmeier. Demnächst solle die Produktion beginnen.

 "Bereits während der Ideenentwicklung sollten sich die Erfinder Gedanken über den Markt machen, über Marketing und Vertrieb", rät Beate Treu vom Institut der deutschen Wirtschaft (Köln). Schon manche Erfindung hat von der IENA aus den Weg in den Markt gefunden: Die aufrollbare Hundeleine etwa, die Schwimmflügel für Kinder oder das Klappfahrrad. Darauf hoffen nun auch die jungen Erfinderinnen Laura Schmidt und Jessica Thoß vom Rhön-Gymnasium im thüringischen Kaltensundheim: Ihr Multifunktionsrucksack "MufuRu" enthält eine Solarzelle, die Strom erzeugt, um das Mobiltelefon aufzuladen. So könnte das Handy - etwa bei Bergwanderungen - auch dann zum Lebensretter werden, wenn keine Steckdose in der Nähe ist, um den Akku aufzuladen. Von Stephan Maurer

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