Tankerstreit: Mit neuem Rüssel hängt EADS die Konkurrenz ab

- Madrid - Wer eine fliegende Tankstelle benötigte, hatte bisher keine Auswahl: Nur Boeing lieferte den Luftwaffen der Welt Tankflugzeuge. Doch nun bietet die europäische EADS mehrere Flugzeuge an, die dies ebenfalls können. Ein fliegendes Betankungsrohr soll den amerikanischen Wettbewerber seine Monopolstellung kosten. Genannt wird es "Boom".

<P>Jahrzehntelang haben sich Amerikaner bei den Europäern beklagt, dass diese zu wenig für ihre Verteidigung unternähmen, freut sich der Brite Peter Scoffham, Marketing-Chef von "Airbus Military". "Jetzt können wir sie auf ihrem eigenen Feld schlagen."</P><P>Erste Achtungserfolge wurden bereits erzielt: Australien bestellte für 1,2 Milliarden Euro fünf Airbus A 330-200 mit Luftbetankungsausrüstung. Eines von vier bestellten Tankflugzeugen auf der Basis des kleineren A 310 wurde im vergangenen Dezember an die Bundesluftwaffe ausgeliefert, drei weitere werden in Hamburg und Dresden umgerüstet. Kanada orderte zwei Tankflugzeuge des Typs A 310-MRTT.</P><P>Den bisher größten Tankflugzeug-Auftrag erwartet EADS von der Royal Airforce, die ihre gesamte Lufttanker-Flotte auf A330-200 MRTT umstellen will. Anbieter der umgerüsteten Airbus-Maschinen ist das britische Konsortium "Air-Tanker", an dem die EADS zu 40 Prozent beteiligt ist. Es geht nicht nur um den Kauf, sondern auch um die komplette Unterhaltung der Tankerflotte. Volumen: Knapp 19 Milliarden Euro.</P><P>Nach zähem Tauziehen um den Preis stehen die Chancen für EADS und ihre Tochter Airbus gut, ins Geschäft zu kommen. Damit wachsen die Chancen, auf dem größten Tankflugzeug-Markt der Welt Fuß zu fassen, den USA. Die Supermacht unterhält mit etwa 500 Maschinen die größte Lufttanker-Flotte der Welt, aus dem Hause Boeing. Hoffnungslos veraltet, wie Experten kritisieren . Die US-Version soll "KC-330" heißen und in den Staaten zusammengebaut werden. Ein US-Partner wird gesucht. Im Gespräch ist Northorp Grumman.</P><P>Technisch fühlen sich die EADS-Tankflugzeugbauer Lichtjahre vor dem Platzhirschen. Sie können Tankflugzeuge in drei Größen anbieten - und vielseitig einsetzbar: Als Truppen- und Materialtransporter, als fliegende Klinik oder als ziviles Passagierflugzeug. Der viermotorige Turboprop-Transporter A 400M, kann ebenso zur fliegenden Tankstelle werden wie die Jets A 310 und A 330-200. Die A 400M kann so langsam fliegen, dass sie auch Helikopter in der Luft mit Sprit versorgen kann. Je nach Typ können die fliegenden Tankstellen 20 bis 65 Tonnen Sprit abgeben. </P><P>Der "Boom" ist ein Teleskoprohr, das sich mit hochmoderner Elektronik und Mechanik bei luftigen Betankungsvorgängen selbst ihr "Ziel" sucht: den Einfüllstutzen der zu betankenden Maschine. Bis zu 3500 Liter Treibstoff können pro Minute durch das Rohr fließen.</P><P>Diese Neuerung haben die Europäer ihren Konkurrenten voraus. Das verbessert ihre Position. Bisher lief der Wettbewerb über den Preis. Da hatten die Europäer zuletzt schlechte Karten, denn eine US-Regierungsangestellte plauderte gegenüber Boeing die günstigeren Preise der Europäer aus. Erst als dies aufflog, verlor Boeing den Auftrag wieder - möglicherweise auf Dauer. "Denn jetzt haben wir", sagt ein EADS-Vertreter, "den ,Boom".<BR></P>

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