Tarifgespräche im NRW-Einzelhandel geplatzt

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Düsseldorf (dpa) - Die Tarifverhandlungen für die gut 400 000 Beschäftigten im NRW-Einzelhandel sind geplatzt. Die Gewerkschaft ver.di lehnte am Freitag ein neues Angebot der Arbeitgeber ab und sieht fast ein Jahr nach Beginn der Gespräche keine Chance für eine Einigung.

Anders als ver.di hatten die Arbeitgeber den Tarifbezirk Nordrhein-Westfalen als Pilotbezirk für die Branche mit ihren 2,7 Millionen Beschäftigten betrachtet. Die Arbeitgeberseite wolle den Flächentarifvertrag beseitigen, kritisierte ver.di in Düsseldorf. Die Gewerkschaft will das weitere Vorgehen im längsten Tarifkonflikt des deutschen Einzelhandels seit Jahrzehnten nun bei einer bundesweiten Tarifkonferenz erörtern.

"Das Wort "Provokation" ist keine ausreichende Beschreibung für das, was die Arbeitgeber hier vorlegen. Im Ergebnis soll den Arbeitnehmern Geld weggenommen werden. Von einem Ausgleich für die Preissteigerungsrate sind wir weit entfernt", teilte ver.di- Verhandlungsführerin Lieselotte Hinz mit. Dagegen sprach der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) von einer langfristigen Einkommensperspektive mit Zuschlagsregelungen, die sich im Vergleich zu anderen Branchen sehen lassen könnten.

Die Gewerkschaft ver.di erwägt nun gemeinsame Streiks von Angestellten aus Handel und öffentlichem Dienst. Das sei eine Möglichkeit, den Forderungen Nachdruck zu verleihen, sagte Hinz der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ/Samstag). Im öffentlichen Dienst droht nach einem kontroversen Schlichterspruch ein flächendeckender Arbeitskampf, nachdem die Schlichtungskommission gegen die Stimmen der Gewerkschaftsvertreter sechs Prozent mehr Einkommen für zwei Jahre, Einmalzahlungen und längere Arbeitszeiten im Westen vorgeschlagen hatte.

Für den Einzelhandel sah das neue Angebot der Arbeitgeber jeweils zum 1. Mai 2008 und 1. Mai 2009 ein Einkommensplus von 2,5 Prozent vor. Außerdem war für den Zeitraum von Mai 2007 bis April 2008 eine Einmalzahlung von 360 Euro geplant. Für Arbeitszeiten zwischen 20.00 und 22.00 Uhr wollten die Arbeitgeber ab Januar 2009 Zuschläge von 20 Prozent zahlen. Ab 22.00 Uhr sollten die Zuschläge 50 Prozent betragen, wie der HDE mitteilte.

Mit den vorgeschlagenen Lohn- und Gehaltserhöhungen sah ver.di nicht einmal die Preissteigerungen abgefedert. Zudem lehnte die Gewerkschaft die Arbeitgeber-Vorschläge für die zeitliche Verschiebung der Spätzuschläge nach hinten ab, weil damit bislang gezahlte Zuschläge zwischen 18.30 und 20.00 Uhr (samstags ab 14.30 Uhr) wegfallen und Zuschläge nach 22.00 Uhr um fünf Prozentpunkte gekürzt worden wären. ver.di hatte bislang Einkommensverbesserungen von 4,5 Prozent und den Erhalt der Spätzuschläge gefordert.

Die Gewerkschaft hatte mit einer Reihe von Streiks im umsatzstarken Weihnachts- und Ostergeschäft versucht, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Während des langen Tarifkonflikts hatten schon mehrere Arbeitgeber eigene Regelungen getroffen. Der Kölner Handelsriese REWE zahlt seinen 88 000 Beschäftigen seit Anfang dieses Jahres 3 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie 50 Euro pro Monat für 2007. Die Samstags-Zuschläge von 20 Prozent wurden um vier Stunden auf 18.30 Uhr verschoben. Auch bei Ikea, Hornbach und Otto wurden die Gehälter bereits angehoben.

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