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Die Tarifverträge für rund 9,1 Millionen Beschäftigte werden im kommenden Jahr neu ausgehandelt. Schwergewichte sind dabei nach Zahlen der Hans-Böckler-Stiftung die Metall- und Elektroindustrie (3,3 Millionen Beschäftigte), der Öffentliche Dienst von Bund und Gemeinden (1,9 Millionen) sowie die Chemische Industrie (550 000). Am Ende des Jahres folgt noch der Öffentliche Dienst der Bundesländer mit 620 000 Mitarbeitern.

Tarifjahr 2012: Krisen-Abschlag oder Nachholrunde?

München - Die Euro-Schuldenkrise heizt die Debatte über den Spielraum für Lohnerhöhungen im neuen Jahr an. Spitzenverbände der Wirtschaft mahnen zu Augenmaß.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) forderte jedoch, die Binnennachfrage müsse gestärkt werden.

Im kommenden Jahr werden die Tarifverträge von 9,1 Millionen Beschäftigten neu ausgehandelt. Die Verhandlungen werden aller Voraussicht nach in einem schwachen konjunkturellen Umfeld stattfinden. Dennoch haben mehrere Gewerkschaften bereits signalisiert, dass sie sich im kommenden Tarifjahr nicht auf einen Krisen-Abschlag, sondern eher auf eine Nachholrunde einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hatte bereits sechs bis sieben Prozent mehr mit sozialer Komponente genannt. Auch die IG Metall will mehr verlangen als die 3,8 Prozent, die sich aus den volkswirtschaftlichen Rahmendaten ergäben. Man werde einen Nachschlag für 2011 miteinbeziehen.

Unterstützung bekommen die Gewerkschaften vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). DIW-Vorstandsvorsitzender Gert Wagner sagte: „Gerade wegen der Eurokrise wäre es volkswirtschaftlicher Unsinn, zur Lohnzurückhaltung aufzurufen.“

Er halte Lohnabschlüsse „von im Schnitt gut drei Prozent“ für möglich. Wagner fügte hinzu: „In manchen Branchen kann es auch deutlich mehr sein, in anderen Wirtschaftszweigen weniger.“

Auch der DGB Bayern sieht keinen Anlass für eine Zurückhaltung in der kommenden Tarifrunde. Um einen möglichen Rückgang bei den Exporten auszugleichen, müsse die Binnennachfrage gestärkt werden, sagte Christiane Berger, DGB-Vize in Bayern. „Minimum sind drei Prozent Lohnplus.“ In einigen Branchen seien auch höhere Gehaltssteigerungen gerechtfertigt. Vor allem die Beschäftigten im Niedriglohnsektor müssten von der Tarifrunde profitieren, betonte Berger.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte vor zu umfangreichen Lohnerhöhungen im neuen Jahr. DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sagte: „Gerade mit Blick auf die unsichere Entwicklung – Stichwort: Schuldenkrise – sollte mit Augenmaß entschieden werden.“ Ziel müsse es sein, „den Beschäftigungsaufbau nicht zu gefährden“.

Auch die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) warnt vor überzogenen Lohnerhöhungen. „Das führt zu weniger Beschäftigung und damit zu einer Dämpfung der Binnenkonjunktur“, erklärte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt auf Anfrage unserer Zeitung. Die Binnenkonjunktur hänge nicht allein von der Lohnhöhe, sondern vor allem von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Lage am Arbeitsmarkt ab. „Die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre hat dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft international wieder wettbewerbsfähiger geworden ist.“ Grundsätzlich hält es Brossardt für „fatal, unsere Zukunft in der Binnennachfrage zu suchen. Unsere Leitbranchen in Bayern exportieren über 50 Prozent ihrer Wertschöpfung. Dies müssen wir erhalten, um unseren Wohlstand zu sichern“, forderte der vbw-Geschäftsführer.

DIW-Chef Wagner hingegen sagte, Deutschland komme nur bei einer stärkeren Binnennachfrage „einer ausgeglichenen Leistungsbilanz näher – und das würde mit dazu beitragen, aus der Eurokrise herauszukommen“. Die jahrelang schwache Lohnentwicklung hierzulande habe „zu den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten beigetragen, die nun die Eurozone in die Krise gebracht haben“. Der DIW-Vorstandsvorsitzende betonte: „Man kann Griechenland zu Recht dafür kritisieren, dass das Land über seine Verhältnisse gelebt hat. Deutschland aber hat unter seinen Verhältnissen gelebt.“

com/sha/dapd

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