Tarifkonflikt in der Chemiebranche erwartet

Frankenthal - In der deutschen Chemieindustrie zeichnet sich ein Tarifkonflikt ab. Die Gewerkschaft lehnte eine Nullrunde für über eine halbe Million Beschäftigte ab.

Die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie lehnte eine Nullrunde für die 550.000 Beschäftigten zum Auftakt der diesjährigen Tarifrunde im pfälzischen Frankenthal am Dienstag kategorisch ab. Dagegen sieht die Arbeitgeberseite keinerlei Spielraum für höhere Einkommen. “Die Arbeitnehmer haben in der Krise in vielen Unternehmen bewiesen, dass sie zu Einschnitten und hoher Flexibilität bereit sind“, sagte der Verhandlungsführer der IG BCE, Ralf Sikorski, bei den bundesweit ersten regionalen Tarifverhandlungen im Bezirk Rheinland-Pfalz und Saarland: “Diese Bereitschaft muss jetzt honoriert werden.“

Die Zeichen der Erholung seien in der Chemieindustrie wesentlich deutlicher zu sehen als in der Metall- und Elektroindustrie. Hohe Dividenden und eine Nullrunde für die Beschäftigten passten nicht zusammen. Dagegen verwies der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hans Oberschulte, darauf, dass die Löhne der Chemie-Beschäftigten im vergangenen Jahr nochmals gestiegen seien, während die Unternehmen ein Umsatzminus von mehr als 17 Prozent hätten hinnehmen müssen: “Das stecken vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht so einfach weg.“

Der Erhalt der Arbeitsplätze sei in der Krise teuer erkauft worden. Die IG BCE will in den diesjährigen Tarifverhandlungen eine deutliche Erhöhung der Einkommen durchsetzen, hat vorab aber auf eine konkrete Prozentforderung verzichtet. Darüber hinaus will die Gewerkschaft erreichen, dass bestehende Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten bleiben. Bis zum 26. März wird es regionale Verhandlungen in den acht Tarifgebieten der Chemieindustrie geben. Am 20. und 21. April sollen dann in Würzburg zentrale Verhandlungen auf Bundesebene folgen.

DAPD

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