Tarifkonflikt eskaliert: Lokführer wollen überall streiken

Berlin - Bei der Deutschen Bahn droht am Dienstagmorgen nahezu kompletter Stillstand. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte von 05.00 bis 09.00 Uhr bundesweit flächendeckend Arbeitsniederlegungen an.

Eine Sprecherin appellierte an Reisende, in dieser Zeit auf Bahnfahrten zu verzichten. "Es wird nicht mehr viel gehen", sagte sie. Damit eskaliert der Tarifkonflikt um höhere Einkommen, in dem die GDL außerdem einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal verlangt.

Die größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA begannen am Montag mit Warnstreiks an 13 Orten. Die Auswirkungen blieben aber begrenzt. Einige tausend Pendler mussten Verspätungen in Kauf. Nach Angaben der Bahn gab es vor allem im Nahverkehr "erhebliche Einschränkungen". Bahn-Personalvortand Margret Suckale nannte die Aktionen "völlig überzogen" und warf den Gewerkschaften eine Blockadehaltung vor.

In der Tarifauseinandersetzung fordern Transnet und GDBA für die 134 000 tarifgebundenen der insgesamt 229 000 Mitarbeiter der Bahn 7,0 Prozent mehr Geld für 12 Monate. Die Bahn hat bislang zwei Erhöhungen von je 2,0 Prozent innerhalb von 30 Monaten sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro angeboten. In drei Verhandlungsrunden gab es keine Annäherung. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.

Die Lokführergewerkschaft will einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal, zu dem rund 32 000 Bahnmitarbeiter gehören. Rund 20 000 davon sind Lokführer, etwa 75 Prozent von ihnen sind nach GDL-Angaben bei dieser Gewerkschaft organisiert.

Die GDL will - je nach Eingruppierung - bis zu 31 Prozent mehr Einkommen durchsetzen. Sie begründet dies mit einem Lohnniveau, das "viel zu gering" sei. Ein Lokführer verdiene derzeit monatlich 1970 bis 2142 Euro. Die GDL verlangt ein Einstiegsgehalt von 2500 Euro, das wären 27 Prozent mehr als bisher. Das Einkommen soll dann stufenweise steigen, bis nach 30 Jahren Beschäftigungsjahren 3000 Euro erreicht sind. Das Anfangsgehalt von Zugbegleitern soll nach den Vorstellungen der GDL von heute 1775 auf 2180 Euro steigen. Das wäre ein Plus von 23 Prozent.

Der bundeseigene Konzern lehnt einen Spartentarifvertrag kategorisch ab. Auch Transnet und GDBA wollen wie bisher einen einheitlichen Tarifvertrag für alle Beschäftigten.

Am ersten Streiktag gab es starke Behinderungen des morgendlichen Berufsverkehrs in Baden-Württemberg. Tausende Pendler mussten vor allem in Freiburg und Karlsruhe lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Viele Züge verspäteten sich um bis zu 90 Minuten. In Mecklenburg- Vorpommern waren nach Bahnangaben 38 Züge vom Ausstand betroffen. Die Hauptbahnhöfe von Rostock und Wismar wurden am frühen Morgen vollständig lahm gelegt. In Erfurt führte ein Ausstand von Mitarbeitern der Zugbereitstellung zum Ausfall einiger Regionalbahnen. In Hamburg bleib das Reisezentrum des Hauptbahnhofes für zwei Stunden geschlossen, Fahrkarten gab es nur an Automaten.

Nach Auskunft der Deutschen Bahn war auch der Regionalverkehr im Allgäu von Zugausfällen betroffen. Nur wenig Behinderungen verursachten den Angaben zufolge die Arbeitsniederlegungen in München, wo das ICE-Werk bestreikt wurde. In Frankfurt am Main traten knapp 100 Beschäftigte in der S-Bahn-Werkstatt, der Reisezug- Werkstatt und der ICE-Werkstatt in einen befristeten Ausstand, ohne das es nach den Angaben größere Behinderungen gab.

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