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Die Tarifrunde 2018 habe insgesamt zu kräftigen Lohnerhöhungen geführt. Foto: Andreas Gebert

Reallohnzuwachs

Tarifsteigerung über Inflationsrate

Für viele Arbeitnehmer in Deutschland standen die guten Tarifabschlüsse in diesem Jahr nicht nur auf dem Papier. Weil die Einkommenssteigerungen über der Inflationsrate lagen, gab es auch einen Reallohnzuwachs.

Düsseldorf/Frankfurt (dpa) - Die Tarifbeschäftigten in Deutschland haben sich im fast abgelaufenen Jahr über kräftige Einkommenssteigerungen freuen können. Ihre tariflich vereinbarten Einkünfte stiegen im Schnitt um 3,0 Prozent.

Dies zeigt eine am Montag vorgestellte Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Tariferhöhungen fielen demnach 2018 deutlich stärker aus als in den beiden Vorjahren, in denen die Vergütungen um jeweils 2,4 Prozent zulegten.

Bei einem zu erwartenden Anstieg der Verbraucherpreise um 1,9 Prozent ergebe sich ein Reallohnzuwachs von rund 1,1 Prozent, erklärten die Studienautoren. Damit bliebe von den Tarifsteigerungen mehr übrig als 2017. Im vergangenen Jahr hatte der Reallohnzuwachs den Angaben zufolge 0,6 Prozent betragen.

Die Tarifrunde 2018 habe insgesamt zu kräftigen Lohnerhöhungen geführt. "Berücksichtigt man nur die Neuabschlüsse aus dem Jahr 2018, so ergibt sich sogar ein Lohnplus von 3,5 Prozent", sagte der Leiter des Tarifarchivs, Thorsten Schulten.

Die bereits in den Vorjahren vereinbarten längerfristigen Lohnabschlüsse schlügen 2018 mit einer Erhöhung von 2,5 Prozent zu Buche. Die Mehrzahl der Tarifabschlüsse habe eine mehrjährige Laufzeit und sähe weitere Tariferhöhungen für das Jahr 2019 vor, die sich mehrheitlich zwischen 2,0 und 3,6 Prozent bewegten.

Eine größere Rolle als zuvor spielten tarifliche Vereinbarungen zur Arbeitszeit, etwa in der Metall- und Elektroindustrie sowie bei der Deutschen Post AG. Vereinbart wurden neue Möglichkeiten der individuellen Arbeitszeitverkürzung sowie Wahloptionen, bei denen die Beschäftigten zwischen mehr Geld oder zusätzlichen freien Tagen wählen können. Schulten sieht darin eine "Renaissance der tariflichen Arbeitszeitpolitik", die sich künftig fortsetzen werde.

Zwischen den Abschlüssen in den einzelnen Branchen gab es deutliche Unterschiede. Die Spannweite der aufs Kalenderjahr bezogenen Erhöhungen reichte von 2,2 Prozent mehr Geld für Beschäftigte der Energiewirtschaft Nordrhein-Westfalen bis zu 6,6 Prozent im ostdeutschen Bauhauptgewerbe. Im Öffentlichen Dienst des Bundes und der Gemeinden gab es für einige niedrige Lohngruppen mehr als für die anderen Beschäftigten.

Mitteilung WSI-Tarifarchiv

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