Ein Tarifstreit mit drei Gewerkschaften

Berlin - Dicke Luft im Tarifstreit bei der Bahn: Alle drei Gewerkschaften wollen mit schmerzhaften Warnstreiks Druck auf den bundeseigenen Konzern machen -­ bereits heute drohen tausenden Kunden längere Wartezeiten im Berufsverkehr.

Für Bahnchef Hartmut Mehdorn ist es besonders heikel, dass die Gewerkschaften in zwei Lager gespalten sind: Die größeren Organisationen Transnet und GDBA kämpfen um mehr Geld für 134 000 Beschäftigte, die kleinere Lokführergewerkschaft GDL sitzt nicht am Tisch und will einen extra Tarifvertrag. Dabei sollten ICE und Intercity gerade zu Ferienbeginn mit Sonderangeboten durchstarten und zusätzliche Fahrgäste gewinnen.

Das Signal der Gewerkschafter ist deutlich: "Unsere Aktionen werden in allen Teilen des Konzerns und bundesweit stattfinden", sagte Transnet-Vize Regina Rusch-Ziemba. Und machte gleich klar, dass die ersten Aktionen nur als der Beginn einer Serie von Arbeitsniederlegungen zu verstehen seien. "Weitere Warnstreiks wird es an jedem Tag dieser Woche geben." Lahmgelegt werden soll der Fern- und Nahverkehr, protestieren sollen Zugbegleiter und Lokführer, Mitarbeiter an Bahnhöfen und Stellwerken und auch Kollegen, die Züge zur Abfahrt bereitstellen. Flugblätter für die Reisenden sind schon gedruckt: "Sorry, mit diesem Warnstreik heute möchten wir nicht Sie als Kunde treffen", heißt es darauf.

Die Adressaten des Protests sitzen im Bahntower in Berlin, wie die Gewerkschafter betonen. "Einzig und allein der Verweigerungshaltung der Arbeitgeberseite ist es zuzuschreiben, dass der Tarifkonflikt eskaliert", sagte der stellvertretende GDBA-Chef Heinz Fuhrmann. Wenige Stunden zuvor war der vorerst letzte Anlauf für eine Einigung erfolglos geblieben -­ zu weit lagen die Positionen auch nach der dritten Verhandlungsrunde auseinander, als die Friedenspflicht um Mitternacht abgelaufen war: Sieben Prozent Plus fordern Transnet und GDBA und verweisen auf satte 1,7 Milliarden Euro Gewinn bei der Bahn im vergangenen Jahr. Zwei mal zwei Prozent über zweieinhalb Jahre bietet bisher die Arbeitgeberseite und warnt vor der Gefährdung von Arbeitsplätzen.

Nun seien eben "begleitende Maßnahmen" nötig, sagte Transnet-Verhandlungsführer Alexander Kirchner noch in der Nacht. "Sonst können wir noch 80 Stunden weiter verhandeln, ohne dass sich etwas bewegt."

Einen harten Kurs lassen auch Ankündigungen vermuten, die die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) heute konkret machen will. Der Vorsitzende Manfred Schell deutete schon an, dass es in dieser Woche einen flächendeckenden Arbeitskampf geben solle. Die Aktionen sind aber nicht mit denen der anderen Gewerkschaften abgestimmt. Die GDL nimmt auch nicht an den Tarifgesprächen teil -­ sie will eigene Tarifregeln für das Fahrpersonal erzwingen. Von insgesamt 19 500 Lokführern bei der Bahn sind etwa zwei Drittel bei der GDL organisiert, aber auch ein Drittel bei der größeren Transnet.

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