Ein Tarifstreit eskaliert

- München - Die Hoffnungen der Mitarbeiter des ehemaligen Karstadt-Einrichtungshauses an der Theresienhöhe, ihre Arbeitsplätze könnten gerettet werden, währte nicht einmal ein Jahr. Am ersten Oktober vergangenen Jahres übernahm die Betreibergesellschaft BDSK das in die roten Zahlen gerutschte Haus vom Karstadt-Konzern. Gestern folgte für etwa 400 Beschäftigten der Schock: Das Haus macht dicht, ebenso das Auslieferungslager in Eching. Eine Sanierung sei nicht möglich, teilten die neuen Gesellschafter mit.

Die Schuld schieben sich Eigentümer und Gewerkschaft gegenseitig zu. Die BDSK erklärte, es habe bereits eine mündliche Verständigung mit Verdi über einen unbefristeten Haustarifvertrag gegeben. Dieser sollte eine Anhebung der Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche und Verzicht auf einen Tag Urlaub beinhalten. Am Freitag habe die Gewerkschaft per Fax mitgeteilt, dass sie mit dieser Vereinbarung nicht einverstanden sei. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", sagte Konrad Nill, Sprecher der BDSK.

Verdi sieht den Fall in einem entscheidenden Punkt anders. Man habe die Sanierungssituation grundsätzlich anerkannt, jedoch die Verschlechterung der Arbeitsverträge für die Mitarbeiter nur für den Zeitraum der Sanierung gutgeheißen, sagte Verdi-Geschäftsführer Georg Wäsler.

Der Ankündigung, das Haus zu schließen war eine monatelange Auseinandersetzung Verdis und der BDSK vorausgegangen. Im Juli waren die Mitarbeiter sogar für einen Tag in Streik getreten.

Laut Verdi hat die BDSK den Betriebsrat aufgefordert, möglichst rasch einen Sozialplan für die Mitarbeiter auszuarbeiten. Verdi hofft zwar, dass die Mitarbeiter noch einige Monate weiterbeschäftigt werden können, die BDSK plant die Schließung aber zum 1. Oktober. Ob eine Weiterbeschäftigung über dieses Datum hinaus möglich ist, bezweifelt Verdi. Die Betreibergesellschaft sei nur zum Zweck der Übernahme gegründet worden und verfüge möglicherweise nur über wenig Kapital.

Für die Einkaufsmöglichkeiten in der Münchner Innenstadt bedeute dies einen "herben Verlust", sagten übereinstimmend Citymanager Wolfgang Fischer und Bernd Ohlmann vom Bayerischen Einzelhandelsverband. Für Münchner, die Möbel kaufen wollten, gebe es jetzt "nur noch die Monster an den Autobahnkreuzen", sagte Fischer.

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