Jahrelange Differenzen

Tarifstreit zwischen Real und Verdi spitzt sich zu

Der seit Jahren schwelende Tarifstreit bei der angeschlagenen Supermarktkette Real spitzt sich zu.

Düsseldorf - Die Gewerkschaft Verdi warf der Führung des Real-Mutterkonzerns Metro am Mittwoch vor, sie plane die Flucht aus dem geltenden Tarifvertrag. Zuvor hatte die Metro einen drastischen Kurswechel des Konzerns im Tarifstreit angekündigt. Ein eigentlich für Mittwoch vorgesehenes Tarifgespräch wurde abgesagt.

Metro-Chef Olaf Koch hatte am Dienstagabend quasi einen Schlusstrick unter die seit zwei Jahren andauernden Bemühungen gezogen, einen Kompromiss im Tarifstreit zu finden. Die Verhandlungen mit Verdi seien ergebnislos geblieben, teilte der Manager mit. Aufgrund der „offenkundigen Blockadesituation“ habe sich die Metro entschlossen, Rahmenbedingungen für eine neue tarifpolitsche Lösung zu schaffen. Der Konzern will künftig nicht mehr unter dem Dach des Branchenverbands HDE verhandeln, sondern setzt auf den wesentlich kleineren Arbeitgeberverband AHD.

Klage: Viele Konkurrenten sind nicht tarifgebunden

Real-Sprecher Markus Jablonski sagte: „Die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband AHD bietet dem Unternehmen künftig bessere Optionen zu einem Tarifabschluss zu kommen - auch weil Real dann nicht mehr nur mit Verdi, sondern auch mit anderen Gewerkschaften über modernere und flexiblere Tarifverträge verhandeln kann.“ Ein möglicher Gesprächspartner wäre etwa die Gewerkschaft DHV.

Metro-Chef Koch klagt seit Jahren darüber, dass die Branchentarifverträge bei Real zu Personalkosten führten, die nicht wettbewerbsfähig seien. Schließlich seien viele Konkurrenten nicht tarifgebunden.

Verdi wirft dagegen dem Unternehmen vor, es wolle sich auf Kosten der Beschäftigten einen Vorteil im Verdrängungswettbewerb der Branche verschaffen. Den Beschäftigen drohe deshalb Altersarmut.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Peter Steffen

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