Tarifverhandlungen bei Siemens unterbrochen

- München/Frankfurt - Die Forderung nach niedrigeren Lohnkosten in Deutschland ist beim Siemens-Konzern weiter ein Reizthema. Am Donnerstag verhandelten Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter ohne Ergebnis über einen neuen Tarifvertrag für mehr als 20 000 Beschäftigte in den deutschen Niederlassungen. Die Gespräche wurden von bundesweiten Protestaktionen begleitet, an denen sich laut IG Metall mehrere tausend Beschäftigte beteiligten.

Siemens will in den Verhandlungen für viele Beschäftigte längere Arbeitszeiten durchsetzen. Statt Weihnachts- und Urlaubsgeld soll zudem eine variable Gewinnbeteiligung gezahlt werden. Nach Einschätzung der Gewerkschaft würde dies teils empfindliche Einkommenseinbußen bedeuten. Die Verhandlungen sollen im Januar fortgesetzt werden.<BR><BR>Siemens hat im Sommer sein Deutschland-Geschäft neu aufgestellt und eine einheitliche Regionalorganisation für alle Geschäftsbereiche gegründet. Bisher gab es unterschiedliche Tarife. So werden viele Beschäftigte nach dem Metalltarif mit 35 Stunden bezahlt. Dagegen arbeiten die 12 000 Beschäftigten in den seit 1998 rechtlich ausgegliederten Service-Gesellschaften 37 Stunden und erhalten kein fixes Weihnachts- und Urlaubsgeld. "Die Erfahrungen mit dem Ergänzungstarifvertrag in den Siemens-Servicegesellschaften sind positiv", sagte Personalvorstand Peter Radomski. "Es hat sich gezeigt, dass ein solches Tarifmodell einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilisierung leistet und damit auch zu einer Sicherung der Arbeits- und Ausbildungsplätze beiträgt."<BR><BR>Die IG Metall fürchtet dagegen nach der Einigung auf längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn in zwei nordrhein-westfälischen Telefonwerken einen weiteren Dammbruch. "Verschlechterte Auswirkungen beim Marktführer Siemens haben Auswirkungen auf die gesamte Branche", sagte IG-Metall-Vize Berthold Huber. An Protest- und Informationsveranstaltungen sowie Betriebsversammlungen beteiligten sich am Donnerstag laut Gewerkschaft unter anderem 1200 Beschäftigte in Berlin, 450 in Nürnberg, 300 in Hamburg und 200 in Stuttgart.

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