"Tatort Autobahn": Die dunklen Machenschaften von Spediteuren

- Berlin - Es sind die kleinen Fische, die den Polizisten ins Netz gehen. Beispielsweise die Lastwagen-Fahrer, die ihre Lenkzeiten überschritten haben. Die Profithaie aber tummeln sich weiter im illegalen Transportgewerbe. Eben diese Machenschaften - Sozialdumping, Betrug, illegale Beschäftigung, Korruption - prangern die Wirtschafts-Journalisten Uli Röhm (60) und Wilfried Voigt (54) nun in ihrem Buch "Tatort Autobahn" an - und fordern zusammen mit der Gewerkschaft Verdi die Politik auf: Ran an die Hintermänner.

"Das Schwarzbuch dokumentiert eine Realität, die ein grausiges Bild auf die Branche wirft", sagt Rolf Büttner von Verdi. Die Gewerkschaft arbeitete mit den Autoren zusammen, stellte Material für das Buch zur Verfügung. Das Ergebnis zeigt für ihn vor allem eines: "Wer systematisch alle Regeln bricht, kann mehr Profit und Umsatz machen."

Wie im Fall Betz: Der Vizepräsident des Bundesamtes für Güterverkehr, Rolf Kreienhop, hatte angeblich Informationen über geplante Lkw-Kontrollen an die Spedition Betz weitergegeben, im Gegenzug einen Mercedes sowie Flüge und Hotelaufenthalte erhalten. Inzwischen hat das Landgericht Stuttgart Anklage erhoben. Während deutsche und ausländische Unternehmer immer mehr die Vorschriften brechen, "ist ein seriöser Unternehmer nicht mehr in der Lage, zu überleben", betont Röhm, der unter anderem das ZDF-Magazin "Wiso" mitgegründet hat. Geschwindigkeits-Überschreitungen, das Nichteinhalten der Höchstladegrenzen und Schwarzarbeit sind alltäglich geworden.

Ein Faktor für die Zunahme dieser Art von Wirtschaftskriminalität sei unter anderem die Liberalisierung des Marktes seit den 90ern, glaubt Büttner. So verdiene ein osteuropäischer "Arbeitssklave", so bezeichnen die Autoren die Brummi-Fahrer, zwischen 200 und 300 Euro im Monat; das macht 6500 Euro pro Jahr. Ein Fahrer, der in der Bundesrepublik arbeitet, koste den Arbeitgeber rund 46 000 Euro jährlich, rechnet Büttner. Ebenso würden nach Schätzungen der EU durch diese Machenschaften den öffentlichen Kassen bis zu 30 Milliarden Euro entzogen.

Die Gewerkschaft fordert, den Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität in der Transportbranche zu verstärken - mit Spezialistenteams, mehr Kontrollen und härteren Strafen. Wenn beispielsweise Lenkzeiten nicht mehr überschritten würden, reduziere sich ebenso die Zahl der Verkehrsunfälle, sagt Autor Röhm. Büttner will zudem einen runden Tisch mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft, der gegen illegale Beschäftigung vorgeht.

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