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Das Kraftwerk Jochenstein an der Donau. Die Anlage an der bayerisch-österreichischen Grenze ist fast 60 Jahre alt und geht jetzt komplett in den Besitz der Verbund AG über.

21 Inn-Kraftwerke in österreichischer Hand

Tausche Wasserkraft gegen Braunkohle

München – Die 21 Wasserkraftwerke am Inn sind jetzt komplett in österreichischer Hand. Österreichs größter Stromerzeuger, die Verbund AG, übernahm die restlichen Anteile von Eon – im Tausch unter anderem gegen die Beteiligung an einem türkischen Braunkohlekraftwerk.

Bayerns größter Wasserkrafterzeuger ist ein österreichischer Staatskonzern. Die Verbund AG, die zu 51 Prozent der Alpenrepublik gehört, hat vergangenen Mittwoch die 100-prozentige Übernahme von acht Wasserkraftwerken an Inn und Donau abgeschlossen. Verbund übernimmt Eon-Anteile und versorgt nun 1,2 Millionen Privathaushalte in Bayern mit Strom, sagte der Vorstandschef von Verbund, Wolfgang Anzengruber.

Der Deal ist nicht ohne Pikanterie. Denn Verbund war zu 50 Prozent an der türkischen Enerjisa Group beteiligt – Anteile, die jetzt komplett der deutsche Energiemulti Eon übernimmt. Enerjisa plant neben Wasser- und Windkraftanlagen unter anderem das Braunkohlekraftwerk Tufanbeyli in der zentraltürkischen Provinz Adana mit 450 Megawatt Leistung. Es soll 2015 fertig werden. In der Türkei gibt es gegen das Projekt Proteste von Umweltgruppen und auch der örtlichen Ärztekammer, unter anderem weil die Braunkohle im Tagebau gefördert wird und auch die Entnahme von Kühlwasser aus einem nahen Fluss umstritten ist. Eon sieht das Investment als „Meilenstein“ – die Türkei sei ein Wachstumsmarkt, heißt es. Anzengruber betonte indes, er sei über den Rückzug von Verbund aus diesem Projekt froh. „Unsere DNA ist Wasserkraft“ – da passe Braunkohle nicht dazu.

Bis 2020 wolle Verbund nun 900 Millionen Euro in Bayern investieren, kündigte Anzengruber an. So soll die Effizienz der bestehenden Anlagen gesteigert werden. Die Turbinen am Inn seien zum Teil 60 Jahre alt. Durch Modernisierung könnten Steigerungsraten von fünf Prozent bei der Stromerzeugung erzielt werden – in Gars (nördlich von Wasserburg), wo eine zusätzliche Turbine eingebaut wurde, sogar noch mehr. Verbund wolle dauerhaft in Bayern bleiben, betonte Anzengruber. „Wir sind ein Langfrist-Investor und wollen im Alpenraum noch stärker werden.“ Zugleich gehe es ihm um ein gutes Verhältnis mit den Inn-Anrainern. „Wir wollen uns als Partner für die bayerischen Kommunen anbieten.“ An den bereits 2009 komplett von Eon übernommenen 13 Innkraftwerken hätten sich die Inn-Gemeinden – die die Kraftwerke eigentlich selber kaufen wollten, aber bei der Milliarden-Investition nicht mithalten konnten – mit 3,5 Prozent beteiligen können. Anzengruber schloss nicht aus, dass dies auch bei den weiteren Inn-Kraftwerken der Fall sein könnte. „Ich bin bereit, darüber Diskussionen zu führen.“ Er erwarte aber, dass die Verlängerung wasserrechtlicher Konzessionen für die Kraftwerke Wasserburg, Teufelsbruck und Gars problemlos verlaufe.

Parallel dazu verfolgt Verbund den Bau eines Pumpspeicherkraftwerks bei Riedl an der Donau – das Projekt unweit des jetzt ebenfalls komplett übernommenen Kraftwerks Jochenstein ist relativ weit gediehen, der Antrag auf Planfeststellung eingereicht. Frühestens 2014 könnte Baubeginn sein. Zukunftsmusik sind der Bau zweier Laufwasserkraftwerke im Tittmoninger und Freilassinger Becken an der Salzach – weil die Salzach ein bis jetzt unberührter Fluss ist, ist der Bund Naturschutz auf Konfrontationskurs. Außerdem investiert Verbund in Windkraft – fünf kleinere Parks in Rheinland-Pfalz wurden gekauft, sie gehen demnächst in Betrieb.

Kritik äußerte Anzengruber an der deutschen Energiewende. Eingriffe in den deutschen Strommarkt, zum Beispiel die derzeitige Einspeisevergütung für Solarstrom, seien falsch. „Es läuft schief.“

Dirk Walter

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