Tausend Jobs in zehn Jahren: Osram setzt auf deutsche Standorte

- München - Als ob jemand den Stöpsel gezogen hätte, fließen die Arbeitsplätze aus Deutschland in Billiglohnländer ab. Auch Osram produziert schon längst in Osteuropa und Asien. Dennoch: Das Münchner Licht-Unternehmen hat in den vergangenen zehn Jahren nicht nur in China Stellen geschaffen, sondern auch in Deutschland. Und zwar über tausend.

<P>Bei der Mitarbeiter-Statistik von Osram reiben sich Standort-Skeptiker die Augen. Unter der Jahreszahl 1994 steht eine "7800", unter der 2004 "8972". Das entspricht einem Zuwachs von 15 Prozent, während im selben Zeitraum der landesweite Jobabbau voranschritt. Das Rezept für die wundersame Vermehrung hört sich simpel an: "Ein extrem wachsames Auge auf die Herstellkosten und die Innovationsführerschaft waren und sind entscheidend für die Standortsicherung in Deutschland", erklärt Wolf-Dieter Bopst, Chef des neben Philips führenden Lichtherstellers.<BR>Freilich ist die Verlagerung von lohnkostenintensiven Bereichen auch bei Osram kein Tabu - zumal in der Branche traditionell ein Kostenkampf tobt. Schon seit 1991 produziert die Siemens-Tochter in Polen, 1993 ging es nach China und auch in diesem Jahr wurden Fertigungskapazitäten aus den Werken in Schwabmünchen und Berlin nach Tschechien verschoben. Aber die daraus resultierende Steigerung der Produktivität schaffte gleichzeitig auch die Möglichkeit, hierzulande in hochwertige Arbeitsplätze zu investieren.<BR><BR>Das Unternehmen hat im zum 30. September abgelaufenen Geschäftsjahr 121 Millionen Euro in seine acht deutschen Fabriken gesteckt (Gesamtinvestitionen: 226 Mio. Euro). Das Gros davon floss nach Regensburg, wo 2003 der Betrieb der nach nach eigenen Angaben "modernsten Opto-Chipfabrik der Welt" startete. Insgesamt entstanden in der Bundesrepublik in den letzten zwölf Monaten 120 neue Jobs.<BR><BR>Das Festhalten am deutschen Standort zahlt sich für die 1919 gegründete Firma bislang aus. 2004 sei "das operativ erfolgreichste Geschäftsjahr von Osram in den letzten zwei Jahrzehnten gewesen", sagte Wolf-Dieter Bopst bei der Bilanzvorlage. Der Umsatz legte nach den Minus-Jahren 2002 und 2003 um zwei Prozent auf 4,2 Milliarden zu, wobei vor allem China mit zweistelligen Zuwächsen glänzte. Gleichzeitig kletterte das Bereichsergebnis um neun Prozent auf 434 Millionen. Damit erreichte die Umsatzrendite mit 10,5 Prozent eine neue Bestmarke.<BR><BR>Auch für das laufende Jahr ist Bopst zuversichtlich und rechnet vorsichtig mit steigenden Erlösen und zumindest stabilen Erträgen. Ob die Jobmaschine auch in Zukunft weiterläuft, lässt er offen. Zumindest: "Das Beschäftigungsniveau wollen wir halten", sagt der 65-Jährige. Eine allgemeine Jobgarantie jedoch spricht er nicht aus. Bei jeder Neuinvestition müsse geprüft werden, an welchem weltweiten Standort die Kosten am geringsten seien.<BR><BR>In den kommenden Wochen will das Osram-Management aus diesem Grund mit Arbeitnehmervertretern diskutieren. Dabei geht es konkret darum, ob geplante Investitionen bei den Leuchtstofflampen in Augsburg oder in Italien oder China stattfinden. Unter anderem soll es um flexiblere Arbeitszeiten gehen.</P>

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