Tausende Bayern wechseln Versorger

München - Die etablierten bayerischen Gasanbieter müssen wegen des Markteintritts neuer Lieferanten zunehmend um ihre Kunden bangen. Allein die seit 13 Monaten bundesweit aktive Eon-Tochter E-wie-einfach versorgt nach eigenen Angaben mittlerweile 100 000 private Abnehmer im Freistaat, darunter über 1000 Münchner. Und dabei soll es nicht bleiben: "Wir wollen weiter wachsen", sagte ein Sprecher unserer Zeitung.

In Deutschland heizen knapp zwei Drittel aller Haushalte mit Gas, in Bayern etwa ein Drittel. Lange Jahre wetteiferten die Anbieter aber nicht um Kunden, weil ihnen der Staat lukrative Gebietsmonopole sicherte. Erst seitdem das neugefasste Energiewirtschaftsgesetz im Oktober 2006 in Kraft trat, ist der Markt wirklich frei und der Kampf um Privatkunden entfaltet sich langsam. Antreiber sind bundesweit eine Handvoll Lieferanten ohne eigene Leitungsnetze, die das Gas Großhändlern abkaufen und es gegen Gebühren durch die Rohre der Netzeigentümer an die Abnehmer leiten.

Preise steigen weiter

Neben E-wie-einfach ist die Montana-Gruppe in München bislang der einzige Anbieter dieser Art, der im Großraum der Landeshauptstadt und weiten Teilen Oberbayerns den flüchtigen Heizstoff vertreibt. Das Familienunternehmen verkauft in der Region seit 50 Jahren Heizöl und stieg Mitte Januar ins Gasgeschäft ein. Über 1000 Kunden habe man bereits gewonnen, sagt Geschäftsführer Stefan Koburger. Jeweils die Hälfte von ihnen stammt nach seinen Worten aus dem Versorgungsgebiet der Stadtwerke München und Erdgas Südbayern. Koburger: "Wenn wir weiter in diesem Tempo zulegen, schlagen wir unsere Prognose, bis zum Jahresende 5000 Neukunden zu gewinnen."

Sowohl Montana als auch die Eon-Tochter garantieren, dass ihre Preise stets unter den Grundtarifen der angestammten Versorger liegen. Allerdings bieten unter anderem die Stadtwerke in München und Rosenheim, die Gasversorgung Germering oder Erdgas Schwaben mittlerweile Wahltarife an, die preiswerter sind als die von E-wie-einfach. Montana schneidet hingegen bei Preisvergleichen in verschiedenen Regionen nicht selten als günstigster Anbieter ab.

Die Karten könnten sich bald neu mischen: Montana passt seinen Gaspreis jeweils zum 1. Januar und zum 1. Juli an den vom Statistischen Bundesamt monatlich ermittelten Durchschnittspreis für Heizöl an. Steigt oder fällt der beispielsweise um fünf Prozent, ändert sich auch das Gasentgelt automatisch in dieser Größenordnung. Bei den zuletzt erreichten Ölpreisrekorden weisen die Zeiger eindeutig nach oben. Doch auch bei den Stadtwerken München ist mit einem Anstieg zu rechnen, da Ende Juni eine Preisgarantie ausläuft. Seit Jahresbeginn haben bundesweit viele Gasanbieter ihre Tarife stark erhöht, bei Erdgas Südbayern müssen Kunden ab 1. Mai teils deutlich mehr bezahlen.

Nicht lange binden

Noch steckt der Wettbewerb auf dem bayerischen und dem deutschen Gasmarkt in den Kinderschuhen. Doch Marktbeobachter erwarten, dass sich das bald ändert: "Spätestens zum Beginn der nächsten Heizperiode werden einige Versorger mit neuen Angeboten auf den Markt kommen", sagt ein Branchenkenner. Er rät Verbrauchern deswegen, mit dem Abschluss lang laufender Verträge noch abzuwarten. "Vielleicht wird es ja noch günstiger."

Auch im Freistaat dürfte sich die Anzahl der Anbieter weiter erhöhen. Schon länger wird erwartet, dass der niederländische Versorger Nuon nach Berlin und Hamburg auch München erobern will. Auch der Eon-Wettbewerber RWE plant, über seine Tochter Eprimo bundesweit Gas zu verkaufen, wie es im Unternehmen heißt. Darüber hinaus will Montana noch vereinzelte weiße Flecken auf der Landkarte besetzen. Und selbst die BayWa hat den Gasmarkt im Auge: "Das wäre eine Möglichkeit für uns", sagt Vorstandschef Wolfgang Deml.

Den Anbieter wechseln

Der Wechsel des Gasanbieters ist ähnlich wie beim Strom einfach und risikofrei. Die Belieferung ist gesetzlich geregelt, es kann zu keinem Lieferausfall kommen. Beim Umstieg zu einem neuen Versorger übernimmt der die Kündigung und alles Weitere. Allerdings bieten oft auch die bewährten Anbieter neue, teils günstigere Tarifpakete an. Nachfragen kann sich lohnen. Grundsätzlich sollten neben dem Preis auch Laufzeit (möglichst kurz) und Zahlungsmodalitäten (besser keine Vorkasse) beachtet werden.

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