Tausende Conti-Mitarbeiter protestieren gegen Stellenabbau

- Hannover - Beim Autozulieferer Continental befürchten Gewerkschaft und Betriebsrat nach dem Aus für das Pkw-Reifenwerk in Hannover-Stöcken einen weiteren drastischen Stellenabbau.

Die Gewerkschaft IG BCE sieht nach dem angekündigten Abbau von 320 Arbeitsplätzen in der Pkw-Reifenproduktion langfristig den gesamten Standort mit rund 3700 Beschäftigten in Gefahr. Auf einer Betriebsversammlung sowie auf einer Kundgebung vor der Conti-Zentrale protestierten in Hannover nach Gewerkschaftsangaben mehr als 3000 Beschäftigte gegen das Aus für das Pkw-Reifenwerk.

Ein Conti-Sprecher wollte keine Stellungnahme abgeben. Er verwies auf Äußerungen von Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer vom Vortag. Dieser hatte die Darstellung von Gewerkschaft und Betriebsrat, in Stöcken seien viel mehr als 320 Stellen gefährdet, zurückgewiesen und von "Schreckensszenarien" gesprochen.

Werner Bischoff, Hauptvorstandsmitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) nannte dies eine "Verharmlosungsstrategie". Jeder, der in Stöcken arbeite, sei von der Entscheidung, das Pkw-Reifenwerk zu schließen, langfristig tangiert.

Continental hatte am Dienstag angekündigt, die Pkw- Reifenproduktion an dem Traditionsstandort Stöcken bis Ende 2006 stillzulegen. Als Begründung wurde genannt, das Wachstum in der Reifensparte sei geringer ausgefallen als erwartet. Die Produktion in Hannover sei die kleinste und insgesamt auch die teuerste. Conti-Chef Wennemer fährt seit Jahren einen harten Kurs der Kostensenkungen, dazu gehört auch die Schließung von Standorten. Conti gilt zudem als Vorreiter bei der Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer.

Bischoff forderte Wennemer auf, die Entscheidung zurückzunehmen. Ansonsten werde die Gewerkschaft keinen tariflichen Öffnungsklauseln bei Conti mehr zustimmen. Bischoff, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef bei Conti ist, warf Wennemer vor, seine soziale Verantwortung nicht mehr wahrzunehmen. Conti sei kein Notfall und nicht unter wirtschaftlichem Druck. Bischoff kündigte an, er wolle die Schließung der Pkw-Reifenproduktion bei dem nächsten Treffen des Aufsichtsrats am 14. Dezember auf die Tagesordnung nehmen lassen.

Die Mitarbeiter im Pkw-Reifenwerk in Stöcken hatten erst im Frühjahr etwa längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich zugestimmt, damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes steigt. Daraufhin hatte Conti zugesagt, bis 2009 dort weiter Reifen zu produzieren. Bischoff kritisierte, der Conti-Vorstand sei "wortbrüchig" geworden. Die Schließung des Reifenwerks diene nur dazu, die Umstrukturierung nach Osteuropa fortzuführen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Deutschland ist Topadresse für ausländische Investoren
Frankfurt/Main (dpa) - Deutschland zählt einer Studie zufolge zu den Top-Adressen für ausländische Investoren in Europa. Im vergangenen Jahr investierten Unternehmen aus …
Deutschland ist Topadresse für ausländische Investoren
Euro-Finanzminister ringen um Griechenland-Hilfen
Wichtige Hürden vor der Auszahlung frischer Kredite an Griechenland sind bereits genommen. Aber ein alter Streit holt die Unterhändler immer wieder ein.
Euro-Finanzminister ringen um Griechenland-Hilfen
Am Hauptstadtflughafen soll billiger gebaut werden
Der BER ist nicht fertig, aber schon zu klein. Daher wird der Ausbau geplant - jedoch für kleineres Geld als bisher. Flughafenchef Lütke Daldrup muss sich derweil Fragen …
Am Hauptstadtflughafen soll billiger gebaut werden
Flixbus übernimmt Fernbusgeschäft der österreichischen ÖBB
Berlin (dpa) - Der deutsche Marktführer Flixbus übernimmt Hellö, das Fernbusgeschäft der Österreichischen Bundesbahnen. Ab August sollen die Hellö-Linien in das …
Flixbus übernimmt Fernbusgeschäft der österreichischen ÖBB

Kommentare