Tausende Deutsche verstecken ihre Millionen in Österreichs Banken

- Wien - Österreichische Banken und Sparkassen erhielten in den vergangenen Wochen zahllose Anrufe aus dem Nachbarland. Mit dem Fall des Bankgeheimnisses ab 1. April versuchen offenbar immer mehr Deutsche, ihr Geld durch eine Verlagerung auf österreichische Konten vor dem Zugriff des deutschen Fiskus zu schützen. Denn in der Alpenrepublik ist das Geld von Bankkunden vor staatlichem Zugriff weitestgehend sicher.

<P>"Beratungszentrum für gehobene Vermögen"<BR><BR>Auskünfte dürfen und müssen Banken und Sparkassen nur dann geben, wenn bereits ein Straf- oder Finanzstrafverfahren gegen einen Kunden eröffnet wurde.<BR><BR>Nach Angaben der Nationalbank in Wien haben deutsche Staatsangehörige bisher bereits mehr als sieben Milliarden Euro bei Banken im Nachbarland deponiert. Medien berichteten in den vergangenen Tagen sogar von bis zu 50 Milliarden Euro, die aus Furcht vor dem deutschen Fiskus ins Nachbarland geflossen seien. Eine Summe, die freilich von der Nationalbank nicht bestätigt wird. Österreich liegt damit als "Fluchtland" für deutsches Kapital nach Schätzung der einheimischen Banken mit 15 Prozent an dritter Stelle hinter der Schweiz und Luxemburg.<BR><BR>Besonders starker Andrang deutscher Kundschaft herrscht seit Jahren in der kleinen Gemeinde Jungholz und im Kleinwalsertal an der deutsch-österreichischen Grenze. In Jungholz (Tirol), einem 300-Seelen-Dorf, verwalten die dort in den 80er Jahren angesiedelte Volksbank, Sparkasse und Raiffeisenbank nach einem Bericht der Tageszeitung "Kurier" allein zwischen 3,5 und vier Milliarden Euro. Der größte Teil davon, so heißt es, stamme aus Deutschland.<BR><BR>Besucher erreichen die Geldinstitute über eine enge Serpentinenstraße im Ortsteil Habsbichl, wo ein großes Hinweisschild verheißt: "Noch ein Kilometer zum Beratungszentrum für gehobene Vermögensanlagen". Hier werden die potenziellen Kunden dann dezent beraten, wie sie ihr Geld am sichersten und gewinnträchtigsten anlegen können. Besonders erfolgreich sei das so genannte "Goldfinger-Nummernkonto", bei dem der Kunde über das deponierte Geld praktisch völlig anonym verfügen kann. Fingerabdruck und Kontonummer genügen, heißt es, Diskretion sei hier erste Bankierspflicht. Allerdings weise man die Kunden "darauf hin, dass dadurch keine Steuerfreiheit in Deutschland entsteht".<BR><BR>Sorge, dass die Kapitalflüchtlinge ab 1. Juli mit der EU-weiten Einführung der Meldepflicht für Zinseinkünfte auffliegen könnten, brauchen die Kunden offenbar nicht zu haben. Zwar müssen deutsche Anleger auch bei österreichischen Geldinstituten (zunächst 15 Prozent) Kapitalertragssteuer zahlen. Die Beträge würden jedoch "automatisch" erhoben und anonym an die Steuerbehörde des Herkunftslandes überwiesen.</P>

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