Tausende protestieren gegen Abbau-Pläne bei der Allianz

- München/Köln/Frankfurt - Aus Protest gegen den geplanten massiven Stellenabbau im Allianz-Konzern sind bundesweit Tausende Beschäftigte des Unternehmens auf die Straße gegangen. Neben den beiden am härtesten von den Stellenstreichungen betroffenen Standorten in Köln und Frankfurt konzentrierten sich Warnstreiks und Aktionen auf die Standorte Hamburg, Stuttgart, Dortmund, München und Augsburg.

Auch Beschäftigte der Allianz-Tochter Dresdner Bank in Frankfurt protestierten. Die Gewerkschaft Verdi sprach von insgesamt rund 7000 Teilnehmern. Unterdessen verschärft sich der Tonfall zwischen Verdi und dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (agv), der wegen des Streikaufrufs rechtliche Schritte gegen Verdi prüft.

Mit den Protestaktionen wollte Verdi gegen die angekündigte Streichung von insgesamt 7500 Jobs im deutschen Versicherungsgeschäft der Allianz sowie bei der Tochter Dresdner Bank Front machen. "Wir wollen damit erreichen, dass es eine Standortsicherung gibt und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2012", sagte eine Verdi-Sprecherin in Berlin. Bisher hatte das Unternehmen Verhandlungen darüber mit der Gewerkschaft abgelehnt. Der Konzern will mit seinen Betriebsräten in den Wirtschaftsausschüssen sprechen beziehungsweise über Interessensausgleiche verhandeln.

"Es darf nicht angehen, dass die Allianz einen Rekordgewinn von 4,5 Milliarden Euro einfährt und Arbeitsplätze vernichtet", sagte die Fachbereichsleiterin der Gewerkschaft Verdi Hessen, Gudrun Schmidt. Auf den zahlreichen Kundgebungen machten die Beschäftigten mit Trillerpfeifen und Rufen ihrem Unmut Luft. Auf Plakaten forderten sie: "So nicht! Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz." In Frankfurt gingen nach Gewerkschaftsangaben rund 1000 Beschäftigte des Konzerns auf die Straße. In der Frankfurter Allianz-Niederlassung sollen in den nächsten zwei Jahren fast 900 der 1600 Vollzeitjobs wegfallen. Bei der Dresdner Bank werden insgesamt 2500 Stellen gestrichen, davon etliche in der Zentrale in Frankfurt.

In Nordrhein-Westfalen riefen Allianz-Beschäftigte einen Protesttag in Köln aus und legten bei einem Warnstreik in Dortmund die Arbeit vorübergehend nieder. Mit 1800 bedrohten Stellen ist der Standort Köln nach Gewerkschaftsangaben die bundesweit größte von Schließung bedrohte Niederlassung des Versicherers. Nach einer Betriebsversammlung und anschließendem Protestzug durch die Innenstadt fanden sich nach Gewerkschaftsangaben rund 1400 Menschen zu einer Kundgebung ein. "Eine Allianz für die Mitarbeiter" forderten sie auf Transparenten. In Hamburg nahmen rund 700 Mitarbeiter an einer Kundgebung teil, für Stuttgart sprach die Gewerkschaft von 1500 Teilnehmern und für München von 400 bis 500 Warnstreikenden.

Der agv hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung über eine Reaktion auf die Warnstreikaufrufe getroffen. "Wir werden den heutigen Tag abwarten und mit der Allianz sprechen", sagte Jörg Müller-Stein, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des agv. "Eventuell könnte es sein, dass wir das Gericht in Anspruch nehmen, das wird, denke ich, auch der Fall sein."

Die Allianz selbst verteidigte ihre Pläne als alternativlos. "Die Gründe, warum wir die Neuordnung angestoßen haben, sind zwingend: Wir haben in den letzten drei Jahren über eine Million Kunden verloren. Wenn wir in Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir jetzt handeln", sagte der Chef der Allianz Deutschland AG, Gerhard Rupprecht.

Videobericht: Proteste gegen Stellenabbau bei der Allianz

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