Tausende protestieren gegen Schließung des AEG-Werks

- Nürnberg - Mit einer Lichterkette haben etwa 4500 Menschen in Nürnberg gegen die geplante Schließung des AEG-Hausgerätewerks demonstriert. Oberbürgermeister Ulrich Maly sowie Vertreter der Gewerkschaften und der Kirchen forderten den schwedischen Electrolux-Konzern auf, den Beschluss sofort zurückzunehmen und nach Lösungen für eine größere Wettbewerbsfähigkeit des Werks mit 1750 Beschäftigten zu suchen.

Die für Ende 2007 angekündigte Schließung sei menschenverachtend, kurzsichtig und unsozial. Im Anschluss an die Kundgebung formierten sich die Demonstranten zu einem Fackelzug um das Werk.

Am Vormittag hatte Electrolux der IG Metall und dem AEG-Betriebsrat offiziell Verhandlungen über einen Interessensausgleich angeboten. Der Konzern hält nach Angaben von Produktionsvorstand Horst Winkler jedoch an seiner vor gut einer Woche verkündeten Entscheidung fest. Die Produktion von Waschmaschinen und Geschirrspülern soll nach Polen verlagert werden. "An dem Beschluss ist nicht zu rütteln", sagte Winkler. Die Konzernführung setze auf rasche Verhandlungen und individuelle Lösungen für jeden einzelnen Beschäftigten. Gemeinsames Ziel müsse es sein, dass nach der Schließung Ende 2007 alle Betroffenen wieder eine Arbeit fänden. Winkler schloss auch einen Sozialtarifvertrag nicht mehr grundsätzlich aus.

Nürnbergs IG Metall-Vize Jürgen Wechsler rief die Beschäftigten auf, nach Ende der heute beginnenden Weihnachtspause die gleiche Kampfbereitschaft zu zeigen wie in den vergangenen Tagen. "Wenn die Electrolux-Manager über Geld reden, dann können wir das auch", bekräftigte Wechsler die Gewerkschafts-Forderung nach einem Sozialtarifvertrag. Dieser müsse eine Vorruhestandsregelung vom 53. Lebensjahr an ohne Verlust von Bezügen und ohne Rentenabschläge, die Qualifizierung von Mitarbeitern notfalls bis zum Jahr 2010 sowie Abfindungen in Höhe von drei Monatseinkommen pro Beschäftigungsjahr beinhalten.

Unterdessen hielten die Zweifel an den Rentabilitätsrechnungen für das Werk an. Die Aussagen des Electrolux-Managements, das Nürnberger AEG-Werk arbeite nicht rentabel, seien "Lug und Trug", sagte Wechsler. Er bezweifelte erneut, dass die Wirtschaftlichkeit des Werkes mit der nötigen Sorgfalt geprüft wurde.

Das Nürnberger Werk arbeite nur deshalb auf dem Papier defizitär, weil dem Standort im Vergleich zu anderen Fabriken zu hohe Fixkosten zugeordnet wurden und Electrolux von einem überholt hohen Produktionsanteil für den schwierigen deutschen Markt ausgeht, argumentiert die IG Metall. Das Betriebsergebnis in Nürnberg sei unter Berücksichtigung aller Kostenbestandteile für Waschmaschinen wie für Geschirrspüler positiv. Eingestandene Verluste im Deutschland-Geschäft würden durch Profite im Export überkompensiert. Ein AEG-Sprecher bezeichnete die Aussagen der Gewerkschaft als nicht nachvollziehbar. Der Konzern halte die eigenen Berechnungen unverändert für richtig. Die in den Export gehenden Nürnberger Hausgeräte seien zwar noch profitabel.

Wegen eines europaweit um sich greifenden Preisverfalls seien aber auch hier Verluste absehbar. Heftige Kritik an der Electrolux-Führung äußerten bei der Kundgebung auch die Kirchen und der Deutsche Gewerkschaftsbund. Der katholische Stadtdekan Hans Reeg nannte die Schließung des Werkes einen "skandalösen Missbrauch unternehmerischer Freiheit".

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