Streit unter Stromgesellschaften

Tausende Stromkunden in Bayern in der Ersatzversorgung

  • schließen

München – Rund 7000 Stromkunden in Bayern werden bis auf weiteres von ihrem Grundversorger beliefert. Grund dafür ist, dass der Netzbetreiber Bayernwerk dem Energielieferanten Care Energy fristlos den Netznutzungsvertrag gekündigt hat.

Das teilte die Bayernwerk AG am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung mit. In der Konsequenz rutschen die Care-Energy-Kunden im Netzgebiet der Bayernwerk AG in die Ersatzversorgung durch den zuständigen Grundversorger. In weiten Teilen Bayerns ist das der Energiekonzern Eon.

„Niemand wird in einer dunklen Wohnung sitzen“, betonte Eon-Geschäftsführer Uwe Kolks. Eon werde sich um die betroffenen Kunden kümmern. Jeder erhalte ohne Unterbrechung Strom. Die betroffenen Care-Energy-Kunden werden nun von der Bayernwerk AG schriftlich benachrichtigt, erklärt Bayernwerk-Sprecher Maximilian Zängl. Auch Eon will sich in den kommenden Tagen schriftlich mit den Kunden in Verbindung setzen, um über die Übernahme der Belieferung und über verschiedene Angebote zu informieren.

Die 7000 betroffenen Kunden verteilen sich laut Zängl gleichmäßig über Ober- und Niederbayern, die Oberpfalz sowie Ober- und Unterfranken. Die Bayernwerk AG ist für 2,3 Millionen Anschlüsse in Bayern zuständig – vor allem im ländlichen Raum, nicht in den Stadtgebieten. Entsprechend sind auch Care-Energy-Kunden, die etwa in München leben, nicht betroffen.

Zu den Hintergründen wollte sich die Bayernwerk AG nicht äußern. Allerdings schwelt der Streit zwischen Care Energy und den Netzbetreibern schon länger. Im Kern geht es darum, dass sich Care Energy selbst als „Energiedienstleister“ bezeichnet, der nicht Strom und Gas liefert, sondern Licht, Wärme und Kälte zur Verfügung stellt. Als Dienstleister, der mit Kampfpreisen auf sich aufmerksam machte, sieht sich das Unternehmen von der Zahlung der EEG-Umlage an die Netzbetreiber befreit.

Das sehen Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur anders. Bereits in der vergangenen Woche hatte 50Hertz aufgrund von ausstehenden Zahlungen den Liefervertrag mit Care Energy gekündigt. Betroffen waren tausende Stromkunden – vor allem in Ostdeutschland. Auch Tennet, Amprion und Transnet BW denken laut Manager Magazin über eine Kündigung nach. Die Bundesnetzagentur hat ein Aufsichtsverfahren eröffnet. Das Firmengeflecht um den Hamburger Unternehmer Martin Kristek muss bis Mitte Juli etwa darüber Auskunft geben, wie viele Kunden zuletzt in die Ersatzversorgung fielen. Die Aufsichtsbehörde verlangt zudem Jahresabschlüsse, Führungszeugnisse und Schufa-Auskunft des Vorstands. Care Energy war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Opel-Verkauf lässt Gewinn von General Motors einbrechen
Detroit (dpa) - Hohe Sonderkosten haben den Gewinn des US-Autoriesen General Motors (GM) im zweiten Quartal einbrechen lassen. Verglichen mit dem Vorjahreswert fiel der …
Opel-Verkauf lässt Gewinn von General Motors einbrechen
TAN-Empfang per SMS darf extra kosten
Die Transaktionsnummer - kurz TAN - sichert Bankgeschäfte im Internet gegen Kriminelle ab. Verbraucherschützer finden: Dieser Service muss beim Girokonto inklusive sein. …
TAN-Empfang per SMS darf extra kosten
Kartellamt verhängt hohe Geldbußen gegen Wellensteyn und P&C
Bonn (dpa) - Wegen verbotener Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt Geldbußen von rund 10,9 Millionen Euro gegen den Kleidungshersteller Wellensteyn und die …
Kartellamt verhängt hohe Geldbußen gegen Wellensteyn und P&C
Berlin-Tegel-Sanierung würde eine Milliarde kosten
Berlin (dpa) - Ein dauerhafter Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tegel wäre aus Sicht von Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup auch wegen hoher Sanierungskosten …
Berlin-Tegel-Sanierung würde eine Milliarde kosten

Kommentare