Ein Teamarbeiter mit dem Zeug zur Nummer 1

- München - Seit geraumer Zeit kreisten die Gerüchte, jetzt ist es offiziell: Der bisherige Vizechef des Hannoveraner Autozulieferers Continental, Wolfgang Ziebart (54), wird neuer Vorstandsvorsitzender des Münchner Chipkonzerns Infineon (wir berichteten).

<P>Was die Münchner vom neuen Vorstandschef erwarten, hat Infineon-Interimschef Max Dietrich Kley vor kurzem klargestellt. Der Neue müsse kollegialen Führungsstil und Bereitschaft zum offenen Dialog mitbringen, sagte der in der Not reaktivierte Aushilfsvorstand, der nun wieder an die Spitze des Infineon-Aufsichtsrats zurückkehren kann. Denn Ziebarts Vorgänger Ulrich Schumacher war dem Vernehmen nach der Mangel an diesen Fähigkeiten zum Verhängnis geworden. Kley hatte nach einer Revolte im Infineon-Management gegen Schumacher vor wenigen Wochen kommissarisch das Amt des Vorstandschefs übernehmen müssen. Wenn im Führungsteam kein Widerspruch mehr auftaucht und Diskussion unterdrückt wird, sei das mit das Schlimmste, was einem Unternehmen passieren könne, sagte Kley jüngst über die offiziell ungenannten Hintergründe zu Schumachers Ausscheiden.</P><P>Insofern scheint der von Continental abgeworbene, promovierte Maschinenbauer die richtige Wahl zu sein. "Er kann ohne vorgefasste Meinung zuhören und ist kein Manager, der alles besser weiß", sagt ein Wegbegleiter. Auch bei BMW, wo Ziebart 1977 seine berufliche Karriere begonnen hat, spricht man noch voll Anerkennung von ihm als kompetentem "Teamplayer". Das ist nicht selbstverständlich. Denn Ziebart musste im Jahr 2000 in den Wirren der Rover-Krise zusammen mit seinen Vorstandskollegen Carl-Peter Forster und Henrich Heitmann bei BMW den Hut nehmen, als das Trio es gewagt hatte, die damals vor dem Scheitern stehende Rover-Strategie zu kritisieren. Das wurde als illoyales Verhalten ausgelegt. Das Naturell eines Revoluzzers hat Ziebart aber nicht. Er gilt vielmehr als ruhig und besonnen. Nach seinem Wechsel zu Continental kümmerte sich der vielgelobte Manager dort hauptsächlich um die Fusion der Autoelektroniktöchter Teves und Temic, was er nach Einschätzung von Betroffenen ohne große Spannungen und Stellenverluste über die Bühne gebracht hat. Das macht Ziebart auch fachlich zum richtigen Mann für die Münchner. Denn als Experte für Kfz-Elektronik ist er Vertreter der wichtigsten Abnehmerbranche für Chipkonzerne. </P><P>Für Ziebart selbst ist der Weg zurück an die Isar eine gute Entscheidung. Denn seine Familie ist nach dem Wechsel nach Hannover in München geblieben. Zudem bedeutet Infineon einen Karrieresprung. "Ziebart möchte gern die Nummer eins in einem Unternehmen sein", sagt einer, der ihn kennt. Er habe auch das Zeug dazu.</P>

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