VA Tech: Nur Siemens jubelt

- Wien - In Österreich herrscht angesichts der bevorstehenden Übernahme des Anlagenbauers VA Tech durch den deutschen Siemens-Konzern Katzenjammer. "Es gibt heute niemanden in der VA Tech, der jubelt. Das Ergebnis war absehbar, aber es tut weh", brachte der noch amtierende VA-Tech-Chef Klaus Sernetz die Stimmung auf den Punkt. Kritik richtet sich vor allem gegen die österreichische Regierung. Ihr wird Konzeptlosigkeit in der Privatisierungspolitik und unprofessionelles Verhalten vorgeworfen.

<P>Siemens hatte sich mit seinem milliardenschweren Übernahmeangebot mehr als 90 Prozent der VA-Tech-Aktien gesichert. Allerdings kommt die Übernahme nur zu Stande, wenn es keine größeren Kartellprobleme in Brüssel gibt. Im ersten Anlauf war der Übernahmeversuch von Siemens im vergangenen Herbst noch am Widerstand in Österreich gescheitert.<BR><BR>Es gebe keine plausible Antwort auf die "peinliche Kehrtwendung" der politischen Akteure, finden die überregionalen "Salzburger Nachrichten": "Erschreckend dilettantisch agierte wieder einmal die Bundesregierung, deren Anspruch einer professionellen und entpolitisierten Privatisierungspolitik (...) zu Makulatur verkam". Auch der liberale Wiener "Standard" fragt sich, "welcher Teufel" die Beteiligungsholding ÖIAG geritten habe, ihr Aktienpaket dem Siemens-Konzern anzudienen. Beim ersten Anlauf von Siemens waren die Übernahmepläne des Elektro-Multis klar als "feindliche Übernahme" abgelehnt und der Privatisierungsauftrag der Beteiligungsholding ÖIAG sogar entsprechend abgeändert worden. Daher musste sich vor allem Finanzminister Karl-Heinz Grasser Konzeptlosigkeit vorwerfen lassen, als Siemens einen neuen Anlauf startete und die Politik eine Übernahme plötzlich positiv beurteilte.<BR><BR>Nun will niemand so recht den Beteuerungen von Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner Glauben schenken, niemand müsse sich um seinen Arbeitsplatz sorgen und die Standorte seien garantiert. Die stets latent vorhandene Angst österreichischer Betriebe vor einem "Ausverkauf" vor allem an mächtigere deutsche Unternehmen bekam am Freitag neue Nahrung, als Hochleitner ankündigte, der Markenname VA Tech werde auf lange Sicht verschwinden.<BR>Zudem sind viele Synergien bekannt, die nur dann gehoben werden, wenn auch VA Tech Siemens-Produkte verwendet. Hier fürchtet vor allem der steirische Standort Weiz, dass die Produktion eingestellt wird.<BR><BR>VA-Chef Sernetz sieht jedenfalls harte Zeiten auf sein Unternehmen zukommen und erwartet einen Personalabbau vor allem in der Verwaltung. Zudem befürchtet er den Abgang von verunsicherten Kunden, allen voran den Rückzug des amerikanischen Großkunden General Electric, einem Siemens-Konkurrenten.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Pearson will bei Random House aussteigen
London/Gütersloh - Die Verlagsgruppe Penguin Random House veröffentlicht Tausende neue Bücher im Jahr. Jetzt will ein Geschäftspartner aussteigen - zur Freude des …
Pearson will bei Random House aussteigen
US-Unternehmen warnen vor Handelskrieg mit China
Amerikanische Firmen fürchten, dass ihr Geschäft in China wegen Trumps harter Haltung Schaden nehmen wird. Aber auch an Peking üben sie Kritik und fordern: Der …
US-Unternehmen warnen vor Handelskrieg mit China
Dax hält sich knapp im Plus
Nach dem ereignisreichen Vortag hat sich der Dax wieder ins Plus gearbeitet. Groß sind die Sprünge aber nicht, der wieder stärkere Euro belastet.
Dax hält sich knapp im Plus
Locomore-Fernzug nur noch vier Mal wöchentlich
Berlin (dpa) - Nur einen Monat nach Betriebsstart muss der neue Fernzug-Anbieter auf dem deutschen Schienennetz seine Fahrten einschränken.
Locomore-Fernzug nur noch vier Mal wöchentlich

Kommentare