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Nach Mehdorns Konzept sollte die Flugbereitschaft der Bundesregierung in Tegel bleiben, dann wäre der Umzug nach Schönefeld nicht nötig. Foto: Paul Zinken

Abstimmung über Weiterbetrieb

Tegel nach BER-Eröffnung nicht mehr profitabel

Braucht Berlin noch seinen alten Flughafen Tegel? Parallel zur Bundestagswahl sollen die Menschen in der Hauptstadt ihre Meinung dazu abgeben. Der Finanzsenator warnt: Tegel sei nicht mehr wirtschaftlich.

Berlin (dpa) - Der Flughafen Tegel ist nach Aussage des Berliner Finanzsenators Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) nach Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER nicht mehr profitabel.

"Würde in Tegel nur die Hälfte der bisherigen Passagiere fliegen, wäre der Flughafen ausgesprochen unwirtschaftlich – in allen Komponenten. Beim Betrieb, bei den nötigen Investitionen und beim Schallschutz. Insgesamt würde der Weiterbetrieb rund 250 Millionen Euro pro Jahr kosten", sagte er der "Berliner Morgenpost".

Wollte man Tegel wirtschaftlich machen, ginge das nur, indem die Airlines viel höhere Landegebühren zahlen. "Wenn man die Gebühren verdoppelt, könnte es vielleicht sogar funktionieren. Aber genau das schließen die Betreiber des Volksbegehrens aus", so Kollatz-Ahnen.

Die Berliner stimmen am Tag der Bundestagswahl auch über einen Appell an den Senat ab, die geplante Schließung des Flughafens zu stoppen. Zu den Argumenten der Befürworter zählt, dass der neue Flughafen BER im Süden zu klein geraten ist. Der Flughafen hatte aber einen Plan vorgestellt, wie der neue Airport ausgebaut werden kann.

Finanzsenator Kollatz-Ahnen lässt mangelnde Kapazität nicht als Argument für Tegel gelten: "Es stimmt, dass der Flughafen aufgrund des inzwischen gewachsenen Passagieraufkommens zu klein ist. Deshalb arbeitet die Flughafengesellschaft an den nötigen Erweiterungen."

Der frühere Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), Hartmut Mehdorn, sagte der "Welt am Sonntag" dagegen, grundsätzlich sei ein profitabler Betrieb von Tegel möglich. Mehdorn will Tegel als Business- und Regierungs-Airport beibehalten. Nach seinem Konzept sollte die Flugbereitschaft der Bundesregierung dort bleiben, dann wäre der Umzug nach Schönefeld nicht nötig.

Hinzu könnten kleine Geschäftsmaschinen kommen, die - begrenzt durch ein Flugverbot zwischen von 20.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens - die Lärmbelastung für Anwohner erträglich halten sollten. Damit, so Mehdorn, wäre Tegel trotz Investitionen profitabel zu betreiben.

Der Bund der Steuerzahler warnte unterdessen beim anstehenden Volksentscheid vor einer "Bauchentscheidung" pro Tegel gewarnt. "So kommen wir in der Politik nicht weiter, wir brauchen ein rationale Entscheidung", sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, dem Berliner Radiosender 105'5 Spreeradio.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der "Berliner Zeitung" würden 61 Prozent der Befragten den Weiterbetrieb von Tegel befürworten. Allerdings nahm die Zahl der Unterstützer seit Jahresbeginn ab. Bei einer Umfrage im Februar waren noch rund drei Viertel (73 Prozent) der Befragten für eine Zukunft für Tegel. Die meisten Befürworter kommen laut aktueller Umfrage aus dem Lager der Berliner Oppositionsparteien. 88 Prozent der FDP-Wähler sind für Tegel, bei den CDU-Wählern sind es 70 Prozent.

Auf die Frage, ob die SPD auch an der Schließung von Tegel festhalte, falls sich die Berliner am 24. September mit überwältigender Mehrheit für eine Offenhaltung aussprechen, antwortete Finanzsenator Kollatz-Ahnen: "Natürlich ist es nicht egal, wie das Ergebnis ist. Man muss dann über das Ergebnis nachdenken."

Interview mit Kollatz-Ahnen

Umfrage-Ergebnisse bei der Berliner Zeitung

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