Telefónica will mit O2 auf dem deutschen Markt Fuß fassen

- München/Düsseldorf - Auf Europas Telekommunikationsmärkten bahnt sich eine neue Elefantenhochzeit an: Der spanische Telekommunikationskonzern Telefó´nica will für 26 Milliarden Euro den britischen Konkurrenten O2 übernehmen und damit endlich auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen. Das O2-Managment stimmte den Übernahmeplänen bereits zu und empfahl den Aktionären die Annahme der um 22 Prozent über dem Börsenkurs liegenden Offerte.

Der Milliardencoup werde dem spanischen Telefonriesen endlich ein starkes Standbein auf den beiden größten europäischen Märkten - Deutschland und Großbritannien - verschaffen, begründete Telefónica-Chef César Alierta die Übernahmepläne. Ein erster Versuch der Spanier, durch den Erwerb von UMTS-Lizenzen in Deutschland Fuß zu fassen, war Anfang dieses Jahrzehnts gescheitert und hatte dem Unternehmen Milliardenverluste beschert.

Der neue Anlauf dürfte vor allem auf dem deutschen Mobilfunkmarkt für viel Wirbel sorgen. Denn die Deutschlandtochter von O2 ist schon heute der am schnellsten wachsende Mobilfunkanbieter zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen und hat erst kürzlich die bisherige Nummer drei, E-Plus, beim Umsatz überholt.

Eine O2-Sprecherin sagte in München, die geplante Übernahme könne O2 zusätzlichen Schub geben. Denn Telefónica habe bereits signalisiert, dass das Geschäft weiter ausgebaut werden solle. Ein Stellenabbau drohe nicht, da Telefónica bisher nicht in Deutschland aktiv sei.

Tatsächlich ergänzen sich die beiden Telekommunikationskonzerne geographisch fast ideal. Telefónica ist bislang überwiegend in Spanien und Lateinamerika präsent, der Mobilfunkanbieter O2 in Großbritannien und Deutschland. Telefónica kann damit seine Präsenz in Europa massiv ausbauen. Zusammen kommen die Unternehmen künftig auf rund 170 Millionen Kunden.

Der britische Mobilfunkanbieter O2, der durch die Trennung der Festnetz- und der Mobilfunkaktivitäten von British Telecommunications entstanden war, galt auf Grund seiner geringen Größe schon seit geraumer Zeit als möglicher Übernahmekandidat. Auch die Deutsche Telekom hatte noch im Sommer mit dem Gedanken gespielt, zusammen mit dem niederländischen Konkurrenten KPN ein Angebot für O2 vorzulegen. Doch gab der Bonner Telefonkonzern seine Pläne im August auf. Allerdings behielt er sich vor, seine Meinung zu ändern, falls ein Konkurrent ein Übernahmeangebot für O2 vorlege.

Ob die Deutsche Telekom nun in einen Bieterwettstreit mit Telefónica eintreten will, dazu schweigt sich das Bonner Unternehmen allerdings aus. "Wir kommentieren das nicht", sagte ein Sprecher.

O2 soll Telefónica zufolge auch nach der geplanten Übernahme vom bisherigen Management in London unter dem eigenen Namen weitergeführt werden. O2 sei eines der am schnellsten wachsenden Mobilfunkunternehmen in Europa und verfüge über ein erstklassiges Management, betonte Telefónica-Chef Alierta. Der Manager sagte, der Zusammenschluss werde Telefónica auch für die Zukunft überdurchschnittliche Wachstumsraten und hohe Gewinne sichern. Die Synergien durch den Zusammenschluss bezifferte er auf 293 Millionen Euro jährlich ab 2008.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax setzt zum Jahresendspurt an
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat den ersehnten Grundstein für eine Jahresend-Rally gelegt.
Dax setzt zum Jahresendspurt an
Brüssel geht gegen Steuerdeals für Ikea vor
EU-Wettbewerbskommissarin Vestager hat sich den Kampf für mehr Steuerfairness in Europa auf die Fahnen geschrieben. Zuletzt ging sie dabei vor allem gegen große …
Brüssel geht gegen Steuerdeals für Ikea vor
Beate Uhse pleite: Aber gibt es doch noch eine Chance?
Der im Insolvenzverfahren des Erotik-Unternehmens Beate Uhse eingesetzte vorläufige Sachwalter Sven-Holger Undritz sieht Chancen für eine Sanierung des Unternehmens.
Beate Uhse pleite: Aber gibt es doch noch eine Chance?
Forderungen nach Kontrolle beim Bitcoin werden lauter
Wie weit geht es noch beim Bitcoin? Die Digitalwährung steigt und steigt. Fachleute sehen sie inzwischen als reines Spekulationsobjekt und fordern mehr Kontrolle.
Forderungen nach Kontrolle beim Bitcoin werden lauter

Kommentare