Telefonaktion zur Altersvorsorge: Empörung über Beitragspläne

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<P>Frage: Ich beziehe seit 1990 eine Altersrente von rund 1000 Euro. Was ändert sich für mich durch die Neuregelung?<BR><BR>Wolfgang Willner: Es gibt drei wichtige Punkte. Zunächst ist ab 1. April 2004 der Beitrag zur Pflegeversicherung durch die Rentner allein zu tragen. Das macht 0,85 Prozent aus, bei einer monatlichen Rente von 1000 Euro also eine Mehrbelastung von 8,50 Euro. Außerdem werden die Renten in diesem Jahr nicht erhöht. Die nächste Anpassung findet nach derzeitigem Stand voraussichtlich zum 1. Juli 2005 statt. Und schließlich werden die Beitragsveränderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung schneller, nämlich schon nach drei Monaten, an die Rentner weitergegeben.</P><P>Frage: Ich habe mit 14 eine Lehre als Maschinenschlosser gemacht und bin seitdem ohne Unterbrechung berufstätig. Kann ich jetzt nach 45 Beitragsjahren mit 60 ohne Abschläge in Rente gehen?<BR><BR>Fritz Schösser: Nein. Auch wenn Sie 45 Jahre lang in die Rentenversicherung einbezahlt haben, haben Sie dennoch erst mit 65 Jahren einen Anspruch auf die volle Rente. Wenn Sie allerdings schon mit 60 in Altersrente gehen wollen, müssen Sie einen Abschlag von 18 Prozent hinnehmen. </P><P>Frage: Ich bin jetzt 58 und Verkäuferin. Mit 60 würde ich gerne in Rente gehen. Ist das nach wie vor möglich und wenn ja, mit welchen Abschlägen muss ich rechnen?<BR><BR>Willner: Bei der Altersrente für Frauen ändert sich nichts. Sie können weiterhin ab 60 Rente beziehen, allerdings - wie bisher auch schon - mit einem Abschlag von 18 Prozent.</P><P>Frage: Fällt der 18-Prozent-Abschlag weg, wenn ich das 65. Lebensjahr erreiche?<BR><BR>Willner: Nein. Der Abschlag, der fällig wird, wenn Sie die Altersrente zum frühestmöglichen Zeitpunkt in Anspruch nehmen, bleibt für die gesamte Rentenbezugsdauer bestehen.</P><P>Frage: Ich bin 1949 geboren und habe einen Altersteilzeitvertrag. Nun mache ich mir Sorgen, ob ich wegen der Anhebung der Altersgrenze doch länger arbeiten muss?<BR><BR>Schösser: Nein. Sie genießen Vertrauensschutz. Dieser gilt für alle Versicherten, die vor 1952 geboren sind und vor dem 1. Januar 2004 einen rechtsverbindlichen Vertrag über die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses abgeschlossen haben oder an diesem Tag arbeitslos waren. Für alle diese Versicherten wird die Altersgrenze nicht angehoben. Sie können weiterhin frühestens mit 60 Jahren die "Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder Altersteilzeit" in Anspruch nehmen, allerdings, wie bisher auch schon, mit Abschlägen. </P><P>Frage: Ich habe 1980 über meinen Arbeitgeber im Zuge der Gehaltsumwandlung eine Direktversicherung abgeschlossen. Wenn ich jetzt, wie in der Neuregelung vorgesehen, darauf Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen soll, wären das über 30 000 Euro. Das ist ja Wahnsinn. Kann man da nichts dagegen machen?</P>"Wie Sie regen sich viele über dieses legalisierte Raubrittertum auf."<BR>Michael G. Hoesch <BR>Michael Hoesch: Ich kann Ihre Empörung gut verstehen. Unter den jetzt beabsichtigten Bedingungen hätten Sie und viele andere Arbeitnehmer wahrscheinlich niemals eine Direktversicherung abgeschlossen. Zunächst ist es so: Die Neuregelung sieht vor, dass Arbeitnehmer, die in einer Direktversicherung, einer Pensionskasse oder einem berufsständischen Versorgungswerk vorgesorgt haben, künftig im Ruhestand auf ihr gesamtes Sparkapital Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen sollen. Die Lebensversicherer melden den Kassen einmalige Zahlungen. <P>Diese strecken den Betrag dann auf zehn Jahre, also 120 Monatsraten. Wir gehen davon aus, dass diese offensichtlich nicht durchdachte Regelung, die praktisch einer Enteignung gleichkommt, noch nicht das letzte Wort ist. Hier wird es sicher noch erhebliche Widerstände und hoffentlich Veränderungen geben.</P><P>Frage: Ich habe eine Direktversicherung, die in drei Jahren fällig wird. Wenn die Neuregelung greift, ist es wohl das Beste, so schnell wie möglich zu kündigen, oder?<BR><BR>Hoesch: Nein, davon würde ich abraten. Bei einer Kündi-gung verlieren Sie auf jeden Fall die lukrativen Schlussgewinnanteile und damit voraussichtlich noch mehr als durch die vorgesehene Beitragspflicht auf Ihr Sparkapital. Wie Sie regen sich viele Leser über dieses legalisierte Raubrittertum auf. Trotzdem mein Tipp: Nicht in Panik geraten und abwarten, ob es wirklich so hart kommt wie jetzt vorgesehen.</P><P>Frage: Ich bin 52 Jahre alt und schwerbehindert. Ab wann kann ich in Rente gehen?<BR>Schösser: Die Schwerbehindertenrente ist geändert worden. Sie können ab 63 die volle Rente ohne versicherungstechnische Abschläge beziehen. Zwar ist der Renteneintritt auch schon mit 60 möglich, dann aber nur mit einem Abschlag von 10,8 Prozent.</P><P>Frage: Ich bin im Dezember 1947 geboren und seit August letzten Jahres arbeitslos. Kann ich mit 60 eine Altersrente wegen Arbeitslosigkeit bekommen? <BR><BR>Willner: Ja. Nach der vorgesehenen Neuregelung fallen Sie unter den Vertrauens-schutz. Der gilt für alle, die vor 1952 geboren sind, am 1. Januar 2004 arbeitslos waren oder vor diesem Stichtag eine Altersteilzeit vereinbart haben. Für alle diese Personen bleibt es bei der Altersgrenze von 60 Jahren inklusive der geltenden Abschläge.</P><P>Frage: Ich habe gehört, dass bei der Rentenberechnung künftig ein so genannter Nachhaltigkeitsfaktor eine Rolle spielt. Was ist das und ab wann gilt diese Regelung?<BR><BR>Schösser: Mit dem Nachhal-tigkeitsfaktor wird die bisherige Rentenberechnungsformel geändert. Damit wird die Entwicklung der Renten an die Entwicklung der Zahl der Beitragszahler gekoppelt. Diese Neuregelung soll ab dem Jahr 2005 greifen und geht auf einen Vorschlag der Rürup-Kommission zurück. </P><P>Das Studium wirkt sich ab 2009 nicht mehr rentensteigernd aus</P><P>Frage: Von der gesetzlichen Rente ist ja immer weniger zu erwarten. Ist denn eine private Rentenversicherung noch sicher?<BR>Hoesch: Man weiß natürlich nicht, was sich der Gesetzge-ber noch alles einfallen lässt. Aber eine private Rentenversicherung bleibt eine sinnvolle Form der Altersvorsorge - gerade, weil die gesetzliche Rente allein nicht mehr ausreicht.</P><P>Frage: Ich bin 53. Wird mir mein Studium noch angerechnet, wenn ich mit 60 in Rente gehe? <BR>Willner: Nein. Ab 2009 wirken sich Zeiten der Schul- und Hochschulausbildung nicht mehr wie bisher unmittelbar rentensteigernd aus.</P><P>Frage: Ich bin 55 und als Ingenieur beschäftigt. Wann kann ich frühestens in Rente gehen?<BR>Schösser: Ein paar Jahre müssen Sie schon noch durchhalten. Frühestens haben Sie mit 62,5 Jahren Anspruch auf Altersrente - dann mit einem 9-prozentigen Abschlag.</P><P>Frage: Ich bin 34 und möchte dringend etwas für meine private Altersvorsorge tun. Wie kann ich sicher gehen, dass ich dabei objektiv und fair beraten werde? <BR><BR>Hoesch: Wenden Sie sich an einen Financial Planner. Das ist ein von Banken, Versicherungen und sonstigen Produktanbietern unabhängiger Finanzberater, der daher unvoreingenommen ihre Situation analysieren kann. Das kostet zwar Geld, aber wenn Sie sich in einer Bank oder von einem Makler beraten lassen, dann ist diese Beratung nur scheinbar "kostenlos". Denn dieser Berater wird natürlich versuchen, Ihnen Produkte seines Instituts zu verkaufen, weil er dafür eine Provision bekommt. Und mit diesen Kosten wird wiederum das Produkt belastet, für das Sie sich entschieden haben. </P> 

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