Skandal um Telefonmitschnitte

Irische Pleite-Banker erschwindeln Milliarden

Dublin - Nach den Enthüllungen über einen Betrugsskandal um die Pleitebank Anglo Irish will der irische Regierungschef Enda Kenny das Rettungspaket für das Kreditinstitut prüfen lassen.

Die Öffentlichkeit müsse die volle Wahrheit darüber erfahren, wie Anglo das Land an den Rand des finanziellen Abgrunds gebracht habe, sagte Kenny am Dienstag.

Damit reagierte er auf Anfang der Woche enthüllte Telefonmitschnitte aus der früheren Chefetage der inzwischen abgewickelten Bank. Deren Topmanager suchten demnach nach Wegen, wie sie sich bei der irischen Zentralbank im Zuge der Finanzkrise 2008 Rettungskredite für ihr marodes Geschäft erschwindeln konnten, wie die Zeitung „Irish Independent“ berichtete.

In den Telefonaten seien die Anglo-Verantwortlichen schließlich übereingekommen, um einen Hilfskredit von sieben Milliarden Euro zu bitten - die Zahl war frei erfunden und den Bankern war da bereits bewusst, dass man den Kredit niemals würde zurückzahlen können. Tatsächlich benötigte die Bank schließlich Hilfsgelder in Höhe von 30 Milliarden Euro, von denen kein Cent zurückgezahlt wurde.

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Laut dem "Spiegel" ist auf den Mitschnitten zu hören, wie die Top-Manager des zu der Zeit drittgrößten Kreditinstitutes des Landes ihre deutschen Anleger als "Scheißdeutschen" beschimpfen, einer von ihnen stimmt lachend die politisch inkorrekte erste Strophe des Deutschlandliedes an.

Es bleibe offen, ob die Chefetage von Anglo die damalige irische Führung bewusst in die Irre geführt oder heimlich mit ihr zusammengearbeitet habe, um den boomenden Immobilienmarkt am Leben zu erhalten, sagte Regierungschef Kenny. „Wir müssen der Wahrheit auf den Grund gehen.“

AP/hn

Rubriklistenbild: © AP

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