Telekom-Auslagerung: Verdi droht mit Streik

- Bonn -­ Die Gewerkschaft Verdi hat der Deutschen Telekom wegen der geplanten Auslagerung von möglicherweise über 50 000 Service-Mitarbeitern in ein Subunternehmen mit Streik gedroht. Über 12 000 Gewerkschafter protestierten in Bonn gegen die Pläne.

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer äußerte vor den Demonstranten den Verdacht, dass die Auslagerung nur eine Vorstufe sei, die Telekom auszuschlachten und an US-Finanzinvestoren verscherbeln zu können.

Der Telekom-Aufsichtsrat, dem Sommer angehört, hat am Mittwoch über die Zukunftsstrategie beraten, die der neue Vorstandsvorsitzende René Obermann am heutigen Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz vorstellen wollte. Die Telekom hat angekündigt, über 45 000 Mitarbeiter aus dem Kundendienst der Festnetzsparte T-Com und der Call-Center in ein neues Subunternehmen T-Service auszulagern. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, möglicherweise seien sogar 55 000 Beschäftigte betroffen.

Die Telekom-Führung will für die Beschäftigten in der neuen Unterfirma die Arbeitszeiten von derzeit 34,5 Stunden pro Woche verlängern und auch auf Abende und die Wochenenden ausdehnen. Zugleich soll das Lohnniveau sinken. Der Konzernvorstand argumentiert, bei der Konkurrenz seien die Einkommen im Service-Bereich etwa 30 bis 50 Prozent niedriger als bei dem ehemaligen Monopolisten. Im Gegenzug bietet die Telekom der Gewerkschaft einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen über das Jahr 2008 hinaus an.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder erklärte, die Telekom stehe vor der größten Auseinandersetzung seit der Postreform und der Privatisierung des Unternehmens vor über zehn Jahren. "Wir stehen wahrscheinlich am Anfang einer langen Auseinandersetzung", sagte Schröder. Notwendige Verbesserungen beim Service seien nicht durch Arbeitsplatzabbau und Demotivation der Mitarbeiter zu erreichen, betonte er.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske kritisierte, dass Mitarbeiter in einen Billiglohn-Sektor abgeschoben werden sollten, während der Vorstand gleichzeitig die Dividende für die Aktionäre auf dem Vorjahresniveau halten wolle. Bsirske und Sommer griffen zugleich scharf die Regulierungspolitik an. Dass das Unternehmen in Schwierigkeiten sei, liege an Fehlern des Managements, vor allem aber auch daran, dass es seit mehr als zehn Jahren "kaputtreguliert" werde, erklärte Sommer.

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