Telekom bläst zur Service-Attacke

- Bonn - Bei jeder Gelegenheit in den vergangenen Jahren hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke sein Mantra heruntergebetet: Der Service muss besser werden. Jetzt nimmt der Telekom-Vorstand richtig viel Geld in die Hand, um endlich sichtbare Erfolge zu erreichen. Auf 1,2 Milliarden Euro Gewinn will der Konzern im laufenden Jahr verzichten, um seine Position im immer schärfer werdenden Wettbewerb zu verbessern. "Angriff ist die beste Verteidigung", erklärte Ricke.

Trotz eines Rekordgewinns von fast 4,7 Milliarden Euro im Jahr 2005 sieht sich der Ex-Monopolist zunehmend bedrängt. Im Festnetz wandern immer noch Kunden ab, auch wenn sich das Aufkommen an Verbindungsminuten stabilisiert habe. Schuld ist nicht mehr allein die Konkurrenz anderer Festnetzanbieter, sondern auch eine zunehmende Neigung, auf den Festnetzanschluss ganz zu verzichten. Immer mehr Verbrauchern reicht ein Mobiltelefon aus.

Doch auch der Hoffnungsträger DSL, die schnelle Internetverbindung per Festnetz, glänzt nicht mehr so golden. Die DSL-Preise in Deutschland seien inzwischen die niedrigsten im europäischen Vergleich, sagte Ricke. Insgesamt sank der Umsatz im Festnetz im Jahr 2005 um 3,6 Prozent. "Dieser Wettbewerb zwingt uns einfach dazu, besser zu sein."

Im Mobilfunk erzielt die Telekom ihre besten Ergebnisse inzwischen in den USA - dort wurden 90 Prozent des gesamten Umsatzwachstums in diesem Sektor erreicht. In Deutschland dagegen stieg zwar die Teilnehmerzahl von T-Mobile erstmals seit einiger Zeit wieder deutlicher als beim Hauptkonkurrenten Vodafone. Der Umsatz im Jahr 2005 sank aber um 1,4 Prozent. Ricke wies allerdings darauf hin, dass zugleich der so genannte Service-Umsatz, also die tatsächliche Nutzung der Handys, zugenommen habe. Anders als der subventionierte Geräteverkauf sei dies der Bereich, in dem Gewinn erzielt werde.

In dieser Situation will die Telekom nun massiver als bisher um Marktanteile kämpfen. 1,2 Milliarden Euro an sich möglicher Gewinn soll diesmal nicht in weitere Subventionen für Endgeräte fließen, sondern in neue Produkte, neue und damit wohl günstigere Tarife und in eine "neue Servicekultur". Zu Letzterem gehört unter anderem ein einheitliches Kundenmanagement, das laut Ricke derzeit im Aufbau ist. Die verschiedenen beteiligten Telekommitarbeiter sollen endlich in die Lage versetzt werden, zum Beispiel bei einer Störung schnell feststellen zu können, was im konkreten Fall zur Behebung bereits versucht wurde und was nicht.

Ricke gibt dem Konzern ehrgeizige Ziele vor: Der Umsatz soll im laufenden und im kommenden Jahr jeweils um fünf Prozent steigen. Im Jahr 2005 lag das Plus bei 3,9 Prozent. Neue Produkte sollen bereits zur Computermesse Cebit vorgestellt werden, die am 9. März in Hannover beginnt. Ehrgeizig sind auch die Pläne für das superschnelle VDSL-Glasfasernetz. Eine Million Nutzer will die Telekom dafür bis 2007 gewinnen, die dann in den 50 größten Städten unter dem Schlagwort Triple Play über das Turbo-Internet zugleich telefonieren, auf das Internet zugreifen und hoch auflösendes Fernsehen betrachten können.

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