Telekom-Chef muss nach Eklat im Aufsichtsrat seinen Stuhl räumen

- Bonn - Eigentlich war die Vertragsverlängerung von Kai-Uwe Ricke als Telekom-Chef nur noch ein Formalität. Das glaubten zumindest jene, die den Vorstandsvorsitzenden gut gelaunt bei der Präsentation der Halbjahreszahlen vor wenigen Tagen erlebten. Der sonst so nüchtern wirkende Konzernchef ließ sich gar zu der Bemerkung hinreißen: "Es macht wieder richtig Spaß, mit den Wettbewerbern auf Augenhöhe zu konkurrieren." Darauf folgte auf einem informellen Treffen des Aufsichtsrats dann der Eklat, der jetzt zur Ablösung von Ricke führte.

Der Vorstandschef, der genau vor vier Jahren als Nachfolger von Ron Sommer an die Telekom-Spitze gerückt war und zum zehnjährigen Jubiläum der T-Aktie geschasst wird, hatte am Donnerstag über die ersten Erfolge bei der Umsetzung der neuen Strategie berichtet. Die Tarifreform komme bei den Kunden gut an. Ricke benötigte dringend Erfolgsmeldungen, denn seit der Gewinnwarnung im August sägte Blackstone informierten Kreisen zufolge an seinem Stuhl. Der Finanzinvestor, mit 4,5 Prozent der größte T- Aktionär nach dem Bund, war schockiert über den Kurseinbruch am Tag der Gewinnwarnung. "Ein professionellerer Vorstand hätte zuvor Signale an die Börse gesendet und damit einen Einbruch vermieden", heißt es im Umfeld von Blackstone.

Rickes Ansicht, dass mit den neuen Bündeltarifen die Wende im darbenden Festnetzgeschäft geschafft sei, stieß bei Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel auf taube Ohren, heißt es in Konzernkreisen. Zumwinkel verwies auf dem Aufsichtsratstreffen stattdessen auf den anhaltend hohen Kundenabgang bei T-Com ­ mit einer halben Million im Sommerquartal blieb dieser unverändert hoch. "Da hat es richtig gekracht zwischen Zumwinkel und Ricke." Zumwinkel hatte zuvor interne Forderungen nach einem Rauswurf von Ricke stets abgelehnt. Nach der Aufsichtsratssitzung war damit Schluss. Seit Freitag mehrten sich dann die Berichte, wonach Sparten-Vorstand René Obermann seinen Weggefährten Ricke ablösen wird.

Auf Obermann wartet eine breite Palette von Problemen bei Europas größtem Telekomkonzern. Sorgenkind ist vor allem das Deutschlandgeschäft, das quer durch alle Bereiche (Mobilfunk, Festnetz und Geschäftskunden) Rückgänge verzeichnet. Vor allem die Festnetzsparte T-Com leidet unter dem harten Wettbewerb. Die Zwickmühle ließ Ricke wenig Platz zum Agieren, was auch seinem Amtsnachfolger zu schaffen machen wird.

Obermann gilt aber als weniger zögerlich als Ricke. So wird Ricke die späte Einführung der Bündeltarife angekreidet. Rickes Amtsführung haftet an, dass er Probleme am liebsten aussitzt. Bei T-Mobile hat Obermann schon bereits bewiesen, dass er unliebsame Entscheidungen, wie einen Abbau von Stellen, möglichst schnell angeht. Den Mitarbeitern muss er Zugeständnisse wie einen Lohnverzicht und längere Arbeitszeiten abtrotzen, um besser im Wettbewerb bestehen zu können. Die Gewerkschaft Verdi hat bereits harten Widerstand angekündigt.

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