Telekom darf Pauschaltarife ausweiten

- Bonn - Die Deutsche Telekom darf auf den zunehmenden Wettbewerb um Telefonnetz mit neuen Pauschaltarifen zum 1. Oktober reagieren. Die zuständige Regulierungsbehörde genehmigte eine Ausweitung des so genannten XXL-Tarifs auf den Samstag.

<P>Dieser Tarif sah bisher nur an Sonntagen und bundeseinheitlichen Feiertagen ein zählerfreies Telefonieren gegen eine höhere Grundgebühr vor. Ein anderer Tarif enthält gegen Aufpreis 120 Freiminuten im Monat. Zwar würden Bedenken geteilt, dass von dem neuen Angebot möglicherweise eine nicht unerhebliche Sogwirkung ausgehen könnte. Ein Preisdumping bestehe aber nicht, sagte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth.</P><P>Der ehemalige Monopolist Deutsche Telekom will mit den neuen Pauschaltarifen seine mehr als 40 Millionen Kunden bei der Stange halten, die seit Ende April auch im Ortsnetz mit einer Billigvorwahl über andere Anbieter telefonieren können. Auf die neue Konkurrenz im Ortsnetz hatte die Deutsche Telekom bereits mit einer Senkung ihrer Ortsgesprächstarife reagiert. Beim Analog-Festnetzanschluss wurde zum September aber die Grundgebühr angehoben. Der Marktanteil im Ortsnetz der Deutschen Telekom sank von einst über 90 Prozent bis Ende Juni bereits um etwa 10 Prozentpunkte bezogen auf die Gesprächsminuten. Die neuen Tarifen sollen gerade junge Leute und Familien ansprechen.</P><P>Die Konkurrenz der Deutschen Telekom bewertet die Genehmigung der Pauschaltarife als einen herben Rückschlag für den Wettbewerb. Bei der Deutsche Telekom nutzten bereits insgesamt rund 11 Millionen Kunden die immer komplexeren Optionstarife, zu denen auch XXL gehört. Die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, habe in einem anderen Fall bei einer bereits deutlich geringeren Kundenzahl Schaden für den Wettbewerb befürchtet, erklärte der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Er fordert von der Behörde Waffengleichheit ein. Weil Vorprodukte nicht verfügbar seien, könnten Dienste nicht zu einem ähnlichen Bündel geschnürt werden.</P><P>Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post betonte, dass sie die Tarife mit Auflagen und Einschränkungen versehen habe. Die XXL-Genehmigung sei bis Ende Juni 2004 befristet. Die Deutsche Telekom müsse monatlich über Kundenzahlen und den Umfang der Nutzung berichten. Der Konzern müsse den XXL-Tarif auch den Kunden gewähren, die eine feste Voreinstellung zu einem Konkurrenten haben. Das neue XXL-Tarifangebot schließe außerdem eine Internet-Einwahl aus. Das bedeute eine wesentliche Verschlechterung des Leistungsumfangs.</P><P>Bereits jetzt gebe es gerade an Wochenenden sehr günstige Tarife mit den Billigvorwahlen (Call-by-Call) und festen Voreinstellungen (Preselection), betonte Kurth. Selbst für einen Vieltelefonierer stelle sich die Frage, ob sich für ihn das XXL-Angebot mit einem zusätzlichen Monatspreis von 9,22 Euro inklusive Mehrwertsteuer lohne. Für das gleiche Geld könne per Billigvorwahlen über 17 Stunden im City-Bereich oder über 9 Stunden bundesweit im Monat telefoniert werden, rechnete die Regulierungsbehörde vor. Außerdem sollten die Verbraucher beachten, dass die so genannten Flatrates auch im Urlaub zu zahlen seien, wenn sie diese nicht in Anspruch nehmen könnten.</P>

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