Die Telekom entdeckt den Kunden

- Bonn ­- Mit Timotheus Höttges übernimmt ein enger Vertrauter von Vorstandschef René Obermann die Schlüsselposition im Vorstand der Deutschen Telekom. Als neuer Chef der Festnetzsparte soll er dem darbenden Deutschlandgeschäft des größten europäischen Telekomkonzerns auf die Sprünge helfen. Auf Höttges wartet eine harte Aufgabe: Seit Jahresanfang wechselten 1,5 Millionen Kunden von T-Com zur Konkurrenz.

Unter Druck steht auch der deutsche Mobilfunkarm, der auf Grund des harten Wettbewerbs auf dem Handy-Markt mit sinkenden Margen zu kämpfen hat. Daher ist es sinnvoll, Höttges mit der Betreuung des kompletten Privatkundengeschäfts in Deutschland zu betrauen.

Denn nach Einschätzung von Experten und von Obermann liegt der Schlüssel zum Erfolg in einem besseren Service und neuen Bündelprodukten. Um den Aderlass bei T-Com zu stoppen, muss der 44-jährige Manager aber nicht nur den Service verbessern. "Die Service-Power muss geordnet werden", beschreibt er seine wichtigste Aufgabe. Genauso wichtig ist es, den Mitarbeitern von T-Com neuen Mut einzuhauchen. Die Motivation in einigen Bereichen der Festnetzsparte tendiere gegen Null, räumen selbst Arbeitnehmervertreter ein. Neben dem anhaltenden Kundenverlust trug dazu der Umbau der Sparte und oftmals auch die Konzernführung selbst bei.

Obermann räumt ungeschminkt ein: "Es gibt massiven Verbesserungsbedarf." Höttges muss sich also auf Gegenwind der 110 000 T-Com-Mitarbeiter -­ viele davon Beamte -­ einstellen. "Hinzu kommt, das er als T-Mobile-Manager nur wenig Erfahrung mit dem Festnetzbereich hat", sagt einer, der Höttges kennt. Allerdings hat der gebürtige Solinger in seiner Karriere bewiesen, dass er sich schnell in neue Aufgaben einarbeiten kann. Der Manager kam im September 2000 vom Versorger Viag zu T-Mobile.

Wenn er eine Entscheidung gefällt habe, dann ziehe er sie konsequent durch. "Und zwar von vorne bis hinten." Bewiesen hat Höttges dies beim Milliarden-Sparprogramm bei T-Mobile, das er in enger Abstimmung mit Obermann umsetzte.

Rückblickend zollen ihm selbst Arbeitnehmer-Vertreter Respekt. Denn gespart wurde vor allem bei den Sachkosten und beim Einkauf, weniger beim Personal.

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