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Nichts zu hören: Wie in unserem Symbolbild geht es derzeit vielen Kunden der Telekom, die per IP-Technologie telefonieren.

Experten sprechen vom "Super-GAU"

Internet-Telefonie: Massive Störungen bei der Telekom

München - Bei der Deutschen Telekom kommt es seit Wochen immer wieder zu massiven Störungen bei der Internet-Telefonie. Die Anschlüsse sind zeitweise stundenlang nicht zu erreichen, auch Notrufe sind dann nicht möglich.

Telekom-Kunden sind verärgert. Manchmal ist die Telefonleitung komplett stumm, teilweise brechen Verbindungen während eines Gespräches einfach ab.

„Meine Kinder sind zur Zeit in Brasilien, wir können kaum mit ihnen sprechen“, berichtet Michael Isemann aus München. Seit zwei Monaten habe er jetzt das Digital-Paket der Telekom und ständig gebe es Störungen. Umgestiegen ist Isemann auf die neue Technik, nachdem die Telekom massiv damit geworben hatte.

Eine Nutzerin schreibt auf der Facebook-Seite des Weilheimer Tagblattes: „In der letzten Woche sind wir an fünf Tagen stundenlang nicht erreichbar gewesen.“

Interessant dabei: Das Problem tritt lediglich beim Telefonieren auf. Das Surfen im Internet und das internetbasierte Fernsehen funktionieren problemlos.

Gleichzeitig sehen sich die Kunden mit widersprüchlichen Informationen der Telekom konfrontiert: Am 30. Juli bestätigte der Telefonkonzern eine bundesweite Störung bei der Internet-Telefonie. Damals waren angeblich weniger als zehn Prozent aller Verbindungsversuche betroffen. Bereits einen Tag später hieß es, die Störung sei behoben. Dennoch: Bei einigen Kunden blieben die Leitungen weiterhin zeitweise tot.

Das Wirrwarr setzte sich fort. Am 22. August meldete die Telekom über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass es zu „Beeinträchtigungen in der IP-Telefonie“ komme. Einige Stunden später meldete sie, die Probleme seien behoben – die Kunden widersprachen. Dasselbe Spiel am 28. August. Über das Facebook-Profil des Bonner Telefonkonzerns ging eine Protestlawine nieder.

Am Dienstag richtete sich der Geschäftsführer des Kundenservices, Gero Niemeyer, über Twitter persönlich an die Kunden. „Wir setzen alle verfügbaren Kräfte ein, um die gewohnte Stabilität unseres Netzes zu gewährleisten“, schreibt er. Von einem Ende der Störung war keine Rede.

Kunden, die bei den Service-Rufnummern nach längerem Warten durchkamen, erhielten auch dort wenig Hilfe. „In der Hotline hieß es nur, man sei dabei, das Problem zu beheben“, erinnert sich der Münchner Telekom-Kunde Isemann.

Die Verbraucherzentrale Bayern rät Kunden daher, möglichst genau zu protokollieren, wann und in welchem Ausmaß Störungen auftreten. Denn Grundsätzlich gilt: „Wird die Leistung des Telefon-Anbieters nicht erbracht, entsteht für Kunden auch keine Pflicht zur Gegenleistung“, erklärt Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern. Anschließend solle man dem Anbieter eine Frist setzen, die Leistung vollständig zu erbringen. „Bei entsprechendem Ausmaß der Störung können die Kunden auch von ihrem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen.“

Denn eine Lösung des Problems ist nicht abzusehen. Techniker der Telekom versuchen derzeit händeringend das Problem in den Griff zu bekommen. Mitverantwortlich an dem Desaster ist möglicherweise auch der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson. Am Montag habe man gemeinsam eine Task-Force eingerichtet, um das Problem zu analysieren, bestätigte Frank Domagala von der Telekom. Der Unternehmens-Sprecher vermutet ein „Problem in der Netzwerkumgebung“.

Das klingt kryptisch, hängt aber schlicht mit der speziellen Technik der IP-Telefonie zusammen (siehe Kasten). Urs Mansmann von der Computerzeitschrift c’t vermutet, dass die Router den Telekom-Server nicht immer finden. „Der Fehler liegt vermutlich in der Infrastruktur für die IP-Telefonie bei der Telekom“, so Mansmann.

Bis dahin empfiehlt die Telekom ihren Kunden ein einfaches Hausrezept: „Router vom Netz, zwei Minuten warten und dann einfach wieder anstöpseln“, so Domagala. Angeblich funktioniert aber auch das nicht immer, weiß Telekom-Kunde Isemann: „Manchmal bleibt die Leitung trotzdem tot.“

Sebastian Hölzle

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