Auf Telekom kommt neue Klagewelle zu

- Frankfurt - Der vorerst letzte Schriftsatz im größten Wirtschaftsprozess Deutschlands wog gute acht Tonnen und wurde per Lastwagen angeliefert. Mit dem Papierwust hat die Kanzlei Clifford Chance Pünder im Auftrag der Deutschen Telekom AG die Begehrlichkeiten von mehr als 15 000 Kleinaktionären zurückgewiesen, die vor dem Frankfurter Landgericht auf Schadenersatz geklagt haben. Heute ist die Verjährungsfrist genau ein Jahr lang abgelaufen. Passiert ist seitdem so gut wie nichts, monieren Anlegerschützer.

<P>Der dritte Telekom-Börsengang im Juni 2000 hat immerhin 15 Milliarden Euro in die Kassen des Bundes gespült. Die Kleinaktionäre fühlen sich getäuscht über den wahren Wert der Telekom-Immobilien und halten dem Bonner Unternehmen vor, bereits geplante Zukäufe verschwiegen zu haben - insbesondere den der US-Firma Voicestream. </P><P>Die Telekom pocht hingegen auf die Korrektheit des Börsenprospektes und der Eröffnungsbilanz von 1995. Fakt ist, dass der Immobilienwert später nach unten korrigiert wurde und der Kurs seit der 2000er-Emission stark gefallen ist, von 66,50 Euro (für Privatanleger 63,50 Euro) auf heute noch 13,50 Euro, ein mageres Fünftel.<BR>Verklagt werden abwechselnd oder auch gemeinsam die Telekom, die Bundesrepublik und deren KfW-Bank. </P><P>Das Zivilverfahren droht zumindest die 7. Kammer für Handelssachen lahm zu legen. Den jüngsten Vorschlag der Strafverfolger lehnte Telekom ab: Gegen eine Zahlung von 20 Millionen Euro in einen Entschädigungsfonds wollten die Staatsanwälte das Verfahren einstellen. Diese Lösung hätte zudem Ärger mit nichtklagenden Aktionären eingebracht, die wohl kaum zu Gunsten der Kläger auf Gewinne verzichten wollen. Bei der Staatsanwaltschaft wird nun nachgedacht über ein angeblich 17 Millionen Euro teures Gutachten zum Wert der Telekom-Immobilien im Jahr 1995.</P><P>Eine weitere Klagewelle rollt aus dem Norden heran: Bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle der Stadt Hamburg haben 14 000 Telekom-Aktionäre "Güteanträge" eingereicht, um die Verjährungsfrist zu unterbrechen. Die Telekom, berichtet die DSW, lässt die seit Januar laufenden Vergleichsverhandlungen regelmäßig scheitern, sodass den Aktionären außer der Aufgabe nur der Weg der Klage bleibt.</P>

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