Platz machen für British Telecom

Telekom und Orange: Ausstieg aus britischem Markt

Bonn - British Telecom drängt mit Macht zurück ins Mobilfunkgeschäft für Privatkunden. Zwei große Spieler auf dem britischen Markt hat die älteste Telefonfirma der Welt ins Visier genommen.

Die Deutsche Telekom und die französische Orange erwägen einen Ausstieg aus dem britischen Mobilfunkmarkt. Beide Unternehmen, die in Großbritannien mit dem Joint Venture Everything Everywhere (EE) den Branchenprimus stellen, führten zur Zeit erste Gespräche mit British Telecom (BT), erklärten Telekom und Orange am Mittwoch. Der frühere Branchenriese BT, ein globaler Anbieter von Kommunikationslösungen, Netzwerk- und IT-Diensten plant den Wiedereinstieg ins Mobilfunkgeschäft.

Die Unternehmen prüften verschiedene strategische Optionen, um die Marktposition von EE zu stärken und den Wert des Unternehmens zu erhöhen. Die Diskussionen mit BT befänden sich aber in einem sehr frühen Stadium und es sei nicht sicher, ob es zu einer Transaktion komme. BT liebäugelt auch mit einer Übernahme der Mobilfunktochter der spanischen Telefónica O2 auf dem britischen Markt.

Die Deutsche Telekom hatte 1999 in Großbritannien mit der Übernahme von One2One zu einem Preis von umgerechnet rund 10 Milliarden Euro ihre erste große Auslandsakquisition getätigt. Später wurde der Anbieter in T-Mobile UK umbekannt, blieb aber die Nummer vier Landes. Im Jahr 2010 wurden die Mobilfunkaktivitäten mit dem französischen Anbieter in einem Gemeinschaftsunternehmen gebündelt, das wenig später unter dem Namen EE an den Start ging.

Allerdings fehlt dem Unternehmen eine starke Festnetz- oder Kabelgesellschaft. Vodafone hatte sich im Großbritannien vor ein paar Jahren unter anderem den Festnetzanbieter Cable & Wireless geangelt und auf dem deutschen Markt im vergangenen Jahr Kabel Deutschland erworben. Ein Börsengang von EE in Großbritannien galt bislang als die wahrscheinlichere Variante für einen Ausstieg der beiden Gesellschafter aus dem Geschäft. Möglich sind aber auch strategische Partnerschaften mit Festnetz- oder Kabelanbietern. BT könnte dabei erste Wahl sein.

Starke Anbieter auf dem Mobilfunkmarkt in Europa werden inzwischen auch unter Wettbewerbshütern nicht mehr grundsätzlich abgelehnt. Denn ein Angriff auf den Kontinent durch Riesen wie AT&T oder America Móvil steht bevor. So war erst im vergangenen Jahr Vodafone ins Fadenkreuz von AT&T geraten. In Österreich erwarb America Móvil des Milliardärs Carlos Slim eine Mehrheit an dem Marktführer Telekom Austria. Es gelang dem Riesen aber nicht, die niederländische KPN unter seine Kontrolle zu bekommen und den Verkauf von E-Plus an Telefónica O2 in Deutschland zu verhindern.

dpa

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