+
Der neue Telekom-Prozess ist notwendig geworden, weil der Bundesgerichtshof einen früheren Beschluss des selben OLG-Senats in einem wichtigen Punkt aufgehoben hat. Foto: Jens Büttner

Richterin dämpft Erwartungen

Telekom gerät bei Anlegerschutzprozess in Beweisnot

Im wiederaufgenommenen Anlegerschutzprozess um die Telekom-Aktie ist das Unternehmen in der Defensive. Das Oberlandesgericht verlangt wasserdichte Nachweise, dass der fehlerhafte Börsenprospekt keine Auswirkungen hatte.

Frankfurt/Main (dpa) - In einem der größten deutschen Anlegerschutzprozesse ist die beklagte Deutsche Telekom AG in arge Beweisnot geraten.

Bei der erneuten Verhandlung verlangte das Oberlandesgericht Frankfurt den vollständigen Nachweis, dass ein bereits vom Bundesgerichtshof beanstandeter Prospektfehler keinen Einfluss auf den Kursverlauf der T-Aktie gehabt hat. Auch in anderen Rechtsfragen ließ der Senat eine kritische Haltung erkennen.

Seit Donnerstag wird beim OLG erneut anhand einer Musterklage darüber verhandelt, ob rund 16 000 Kläger Anspruch auf Rückerstattung des Aktien-Kaufpreises in einer Gesamthöhe von knapp 80 Millionen Euro haben.

Es geht um den sogenannten dritten Börsengang der Deutschen Telekom aus dem Jahr 2000, bei dem Anteile aus dem Bestand der staatseigenen KfW zum Frühbucherpreis von 63,50 Euro verkauft wurden.

Der Prozess war notwendig geworden, weil der BGH den früheren OLG-Beschluss in einem wichtigen Punkt aufgehoben hat. Nach Auffassung der Bundesrichter enthielt der Börsenprospekt der Telekom einen "schwerwiegenden Fehler" zur US-Beteiligung Sprint.

Mehr noch: In seiner Urteilsbegründung hielt der BGH der Telekom vor, die Besitzverhältnisse an dem US-Mobilfunker bewusst verschleiert zu haben. An zwei Stellen war in dem Börsenprospekt von einem Verkauf die Rede, während die Beteiligung tatsächlich nur konzernintern an eine andere Holding "umgehängt" worden war und damit verbundene Milliarden-Risiken erst später auftauchten.

Der OLG-Senat will bereits am 30. November eine Entscheidung verkünden, die allerdings kein endgültiger Beschluss sein muss. Die Vorsitzende Richterin Birgitta Schier-Ammann hatte gleich zum Auftakt die Erwartungen auch nach einem solchen Beschluss gedämpft. Man müsse kein Hellseher sein um zu wissen, dass die Sache erneut beim Bundesgerichtshof landen werde, sagte die Richterin.

Schier-Ammann ließ die Auffassung des Senats erkennen, dass zwischenzeitlich eingenommene Dividenden auf einen eventuellen Schadenersatz angerechnet werden müssten. Nach den allgemeinen Schadensregeln hätten die Kläger aber Anspruch auf Zinsen, um ihre Kapitalverluste abzudecken.

Die Telekom lehnt bislang jede Zahlung ab. Klägeranwalt Andreas Tilp warf dem Unternehmen ein zynisches Spiel auf Zeit vor. "Die Leute sterben weg. Es wird hier auf eine biologische Lösung gewartet", sagte er.

Während der langen Verfahrensdauer ist der Musterkläger, ein Rentner aus Schwaben, in diesem Jahr gestorben. Der Prozess um den Fall des Tilp-Mandanten, an dem modellhaft wichtige Rechtsfragen geklärt werden sollen, wird aber davon unberührt weitergeführt.

Börsenprospekt DT3

Aktionärsstruktur DT AG

Tilp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Thyssenkrupp-Krise spitzt sich zu: Aufsichtsratschef geht
Bei Thyssenkrupp hinterlässt der Druck von Großaktionären immer tiefere Spuren. Nach dem Abgang des Vorstandschefs verlässt auch der Aufsichtsratschef den …
Thyssenkrupp-Krise spitzt sich zu: Aufsichtsratschef geht
Deutsche Bank mit unerwartet hohem Gewinn
Nach einer Verlustserie und einem eiligen Chefwechsel überrascht die Deutsche Bank mit guten Nachrichten. Der Gewinn im zweiten Quartal fällt deutlich höher aus als …
Deutsche Bank mit unerwartet hohem Gewinn
Dax setzt Erholung mit moderaten Gewinnen fort
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat den Handel am Montag mit moderaten Gewinnen beendet. Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA sorgten ebenso wenig für Impulse wie …
Dax setzt Erholung mit moderaten Gewinnen fort
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse
Jeder Einkauf im Discounter endet an der Kasse. Aber wie gut werden die Kassierer eigentlich behandelt? Eine Aldi-Süd-Mitarbeiterin hat nun Auskunft gegeben.
Münchner Aldi-Mitarbeiterin packt aus: So hart ist die Arbeit an der Kasse

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.