Telekom und Verdi gehen aufeinander zu

Verbessertes Angebot: - Vier Wochen nach Beginn des Streiks bei der Telekom kommen sich die Parteien wieder näher. Der Konzern hat ein verbessertes Angebot für die von Verlagerungsplänen betroffenen Mitarbeiter in Aussicht gestellt. Nun wird erwartet, dass Telekom und Verdi die abgebrochenen Gespräche fortsetzen.

Bonn/München ­- Bewegungen in die festgefahrenen Verhandlungen haben Überlegungen des neuen Personalvorstands Thomas Sattelberger gebracht. Er stellte den 50 000 Mitarbeitern der Festnetzsparte T-Com ein verbessertes Angebot unter anderem mit einem Erfolgsbonus in Aussicht. "Wir stehen in den nächsten Tagen vor einer Weichenstellung", sagte er. Dabei betonte er, dass die Offerte der Telekom keine "Charme-Offensive" sei.

Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder signalisierte erstmals ein Einlenken der Gewerkschaft. "Unser Streik hat offenbar das Nachdenken bei der Telekom beflügelt", erklärte der Gewerkschafter, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Telekom ist. Als "hochproblematisch bezeichnete Schröder aber die weiterhin geplanten Einschnitte in die Gehälter der betroffenen Arbeitnehmer. Beobachter erwarten, dass die Tarifpartner schon im Lauf der nächsten Tage neue Verhandlungen starten könnten. Seit Beginn des Streiks vor vier Wochen hat es keine Gespräche mehr zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft gegeben.

Die Telekom hält in ihrem nachgebesserten Konzept zwar an den Plänen fest, zum 1. Juli 50 000 Beschäftigte von Callcentern, Technischem Service und der Technischen Infrastruktur von T-Com in neue Subunternehmen auszulagern. Sie will auch weiterhin die Einstiegsgehälter kürzen und die Arbeitszeiten verlängern, um so bis 2010 die Kosten zwischen 500 Millionen und 900 Millionen Euro zu senken. Dies will das Unternehmen der Gewerkschaft nun aber nicht nur mit einem Kündigungsschutz bis Ende 2011 und der Aussicht auf 3000 neue Stellen schmackhaft machen.

Neu ist vor allem ein "Investitionspakt für Servicekultur". Dazu gehören nach den Worten Sattelbergers Angebote für die Qualifizierung von Mitarbeitern, neue Laufbahnpfade mit entsprechenden auch finanziellen Aufstiegsmöglichkeiten sowie eine "servicefreundliche Arbeitsumgebung" bis hin zur Gestaltung des Mobiliars am Arbeitsplatz und der Verbesserung der Computerausstattung. Weitere Komponente in den Vorschlägen der Telekom ist nach den Worten des Personalvorstands eine Erfolgsbeteiligung. Etwa 20 Prozent des Gehalts sollen demnach variabel sein. Individuelle Erfolgsprämien sollen sich nicht nur am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bemessen, sondern auch an der durch den jeweiligen Mitarbeiter erreichten Kundenzufriedenheit. Günstigstenfalls könnten Beschäftigte damit das bisherige Einkommensniveau praktisch halten.

Trotz des neuen Angebots setzten tausend Beschäftigte der Telekom ihren Arbeitskampf fort. Rund 1000 Streikende aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unternahmen eine Protestwanderung auf den Brocken. In München beteiligten sich 300 Beschäftigte an einem Radl-Korso durch die Innenstadt. Das Motto: "Wir wollen nicht unter die Räder kommen."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Yahoo-Übernahme durch Verizon verzögert sich
New York (dpa) - Der Yahoo-Kaufinteressent Verizon hat im Schlussquartal 2016 einen Dämpfer einstecken müssen. Umsatz und Gewinn sanken im Vergleich zum …
Yahoo-Übernahme durch Verizon verzögert sich
Berlin erwartet Job-Rekord und Konjunkturplus
Die schwarz-rote Koalition kann im Wahljahr 2017 wohl nochmals mit einem Höchststand bei der Beschäftigung und einem soliden Wirtschaftswachstum punkten. Es gebe aber …
Berlin erwartet Job-Rekord und Konjunkturplus
Brexit-Urteil: Ökonomen erwarten keine Kursänderung Londons
Die britische Regierung darf die Scheidung von der Europäischen Union nicht im Alleingang durchziehen. Kann die Beteiligung des Parlaments einen Brexit noch verhindern? …
Brexit-Urteil: Ökonomen erwarten keine Kursänderung Londons
Profitable Medizintechnik: Philips verdient deutlich mehr
Für den niederländischen Philips-Konzern zahlt sich die Konzentration auf das Geschäft mit Medizintechnik aus. Doch hier droht in einem wichtigen Segment möglicherweise …
Profitable Medizintechnik: Philips verdient deutlich mehr

Kommentare