Telekom will Schlagkraft erhöhen - Abschied vom massiven Stellenabbau

Bonn - Sie sind ein Dauerbrenner bei der Deutschen Telekom und ein sensibles Thema obendrein: Personalumbau, Sparprogramme und Stellenkürzungen. Personalvorstand Thomas Sattelberger muss immer wieder heiße Eisen bei Europas größtem Telekomkonzern anfassen. "Natürlich werden wir weiter Anpassungsbedarf haben", sagt der Manager.

Doch mit Sattelberger, der seit sieben Monaten im Amt ist, ist ein frischer Wind in die Zentrale der Telekom eingezogen. Die Zeiten, in denen der frühere Staatskonzern mit Massenentlassungen Schlagzeilen machte, sollen der Vergangenheit angehören. Sattelberger: "Wir werden kein neues großes Abbauprogramm auflegen".

Zugleich weiß der Manager nur allzu gut, dass am Umbau des Unternehmens kein Weg vorbeiführt. Rund 150 000 Männer und Frauen, darunter 37 000 aktive Beamte, beschäftigt die Telekom in Deutschland. Bei der Personalaufwandsquote, dem Verhältnis von Personalkosten zur Gesamtleistung, sieht Sattelberger eine deutliche Lücke zu vergleichbaren Wettbewerbern wie France Télécom. Das Ziel ist klar: Schlanker und damit schlagkräftiger soll die Telekom werden, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren. Den Weg dorthin fasst Sattelberger unter die Leitlinie "Abbau, Umbau und Aufbau" zusammen.

Sattelberger hat ein Bündel an Maßnahmen geschnürt, um die Mammutaufgabe zu meistern. Ein wichtiger Baustein verbirgt sich hinter dem Begriff "Kapazitätsmanagement". Telekom-Beamte sollen verstärkt für Aufgaben bei Bundes- und Landesbehörden eingesetzt werden und so die Personaletats entlasten. "Potenzial gibt es bei allen Behörden. Die Bundesanstalt für Arbeit zum Beispiel hätten wir gerne als größeren Kunden." Auch wenn sich Sattelberger zu Zahlen bedeckt hält, hieß es in Konzernkreisen, dass über 9000 Staatsdiener in den neuen Bereich wechseln sollen. Derzeit arbeiten 2000 bis 3000 Telekom-Beamte vorübergehend oder dauerhaft bei staatlichen Behörden.

Mit dem Kapazitätsmanagement wollen die Bonner Einschnitte an anderer Stelle vermeiden. Handlungsbedarf sieht Sattelberger darüber hinaus in den Zentralen des breit aufgestellten Konzerns, in denen mehrere tausend Menschen arbeiten. "Wir müssen in den Zentralfunktionen schlanker und behänder werden", diagnostiziert der Manager die Lage. Und er verweist auf Großkonzerne wie Daimler, die längst ihre Zentralen abgespeckt haben. Sattelberger bekräftigt zugleich Pläne für die Zusammenlegung von Standorten. "Die Einheiten werden effizienter und auch besser zu steuern sein." Beim Umbau setzt das Unternehmen auch auf die natürliche Fluktuation, die bei rund 8000 Menschen jährlich liegt.

Auf seinem Heimatmarkt ringt das Schwergewicht mit dem harten Wettbewerb, der sich in sinkenden Erlösen niederschlägt. Rund ein Fünftel der Festnetzkunden haben der Telekom den Rücken gekehrt und sind zur Konkurrenz gewechselt. Ein Abflauen der Kundenabwanderung ist nicht in Sicht. "Erst wenn die Marke von 50 Prozent Marktanteil durchbrochen ist, wird sich die Lage stabilisieren", meint ein Experte. Weniger Kunden bedeutet weniger Umsatz und damit auch weniger Arbeit für die Mitarbeiter. Ein altes Problem, das bereits Sattelbergers Vorgänger erkannt hatten. Seit der Privatisierung Mitte der 90 Jahre folgt Stellenabbau auf Stellenabbau - 120 000 Beschäftigte mussten gehen.

Geht Sattelbergers Strategie auf, dann hält er seinem Vorstandschef Obermann den Rücken frei. Mit Argusaugen schaut die Politik auf das Miteinander von Belegschaft und Konzernführung. Obermann und seine Lobbyisten verbringen viele Stunden in Berlin, um in vertraulicher Runde Politiker von ihren Plänen zu überzeugen. Mit Erfolg: Bei der Verlagerung von 50 000 Mitarbeitern in den konzerneigenen Niedriglohnbereich T-Service griff die Bundesregierung als Hauptaktionär nicht ein. Doch ein Telekom-Manager warnt: "Noch einmal können wir so etwas nicht ohne Aufschrei der Politik machen."

Sattelberger schürt Hoffnung: So will er in diesem Jahr 4000 neue Mitarbeiter und 3800 Auszubildende einstellen. Durch den Abbau der vergangenen Jahren droht die Belegschaft zu veralten, meint er. "Da muss immer wieder frisches Blut rein, um die Innovationskraft zu erhalten".

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