Telekom will zehn Jahre nach Marktöffnung Lockerung der Regulierung

Bonn/Frankfurt - Die Deutsche Telekom verlangt zehn Jahre nach der Öffnung des Telekommarkts eine weniger strikte Regulierung.

"Beim weiteren Umbau des Telekommunikationsmarktes in Deutschland muss die Regulierung mehr Augenmerk auf die Sicherung von Arbeitsplätzen richten", sagte ein Konzernsprecher.

Die Liberalisierung in Deutschland zum 1. Januar 1998 habe zu einem dynamischen Wettbewerb geführt. "Jetzt ist es Zeit, dass eine Balance zwischen Wettbewerb und sozialer Verträglichkeit gefunden wird."

Die Preise für Telefonate sind seit Januar 1998 drastisch eingebrochen. So kostet ein Inlandsgespräch nach Angaben des Branchenverbands BITKOM heute noch 1 Cent - vor zehn Jahren waren es 31 Cent. Möglich wurde der Preisverfall durch den Eintritt neuer Spieler wie Arcor oder Freenet in dem von der Telekom beherrschten Markt.

Wegen des harten Wettbewerbs muss der Marktführer seine Kosten massiv senken, um den Margenrückgang abzufedern. Die in den vergangenen Jahren eingeleiteten Sparprogramme umfassten den Abbau von knapp 120 000 Arbeitsplätzen. Um den Abbau weiterer Stellen zu verhindern, will die Telekom nun höhere Kosten für die Bereitstellung von Vorleistungsprodukten veranschlagen. Zu entscheiden hat darüber die Bundesnetzagentur, die etwa die Preise für den direkten Zugang zum Kunden - der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) - festlegt.

"Die Vorleistungspreise sollten nicht immer weiter abgesenkt sondern an den tatsächlichen Kosten ausgerichtet werden", appellierte der Telekom-Sprecher an die Netzagentur. Die Telekom-Wettbewerber lehnen dies ab.

Ungeachtet des Konkurrenzdrucks sieht Vorstandschef René Obermann sein Unternehmen auf dem richtigen Weg. "Wir haben in Deutschland unsere Herausforderungen sehr konsequent angepackt, uns dem Konflikt gestellt, inzwischen verlieren die Wettbewerber Marktanteile an uns", sagte er der "Börsen-Zeitung" (Samstagausgabe). Er unterstrich das Ziel eines Marktanteils von mindestens 40 Prozent im wichtigen DSL- Geschäft, das 2007 übertroffen werde.

Zugleich räumte Obermann ein, dass die Einnahmeausfälle aus dem Verlust von traditionellen Telefonanschlüssen damit kurzfristig nicht zu kompensieren seien. Auch 2008 werde der Umsatzrückgang im Festnetz nicht aufzuhalten sein. Um die Ertragskraft zu sichern, müsse die Telekom weiterhin restrukturieren. Das sei "ein offenes Geheimnis", sagte Obermann.

Auf ein konkretes Ziel bei der Personalkostenquote wollte er sich nicht festlegen. Sie soll jedoch deutlich näher an die Wettbewerber, die fast durchweg unter 20 Prozent liegen, herankommen. An der Börse konnte die Telekom im Jahresverlauf Vertrauen zurückgewinnen, was auch mit der Anhebung der Dividende zusammenhängt. Seit Jahresanfang kletterte die T-Aktie um rund neun Prozent auf über 15 Euro.

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