Telekom-Kahlschlag: 32 000 müssen gehen

- Bonn - Die Börse applaudiert dem Stellenabbau: Die T-Aktie legte gestern deutlich zu, nachdem die Pläne von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke bekannt geworden waren, bis Ende 2008 unter dem Strich 19 000 Stellen zu streichen. Da einige Stellen mit mehr als einer Person besetzt sind und Ausgliederungen dazukommen, müssen insgesamt 32 000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, wenn auch ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Ganz unerwartet kommt der massive Stellenabbau trotz inzwischen wieder guter Gewinne der Telekom nicht: Ricke hatte zuletzt bei der Hauptversammlung im April keinen Zweifel daran gelassen, dass er das Unternehmen weiter "verschlanken" will. Seit dem Börsengang im Jahr 1995 sind bei dem "magentafarbenen Riesen" jährlich etwa 10 000 Stellen verloren gegangen. "Umfang und Stoßrichtung" der jüngsten Ankündigung seien "schon ungewöhnlich", hieß es bei der Gewerkschaft Verdi.

Erst im März vergangenen Jahres hatte die Telekom mit Verdi ein Beschäftigungsbündnis geschlossen. Die Gewerkschaft hatte unter anderem einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 34 Stunden ohne vollständigen Lohnausgleich sowie einer Nullrunde für das Jahr 2004 zugestimmt. Damit habe die Beschäftigung für 9800 Mitarbeiter gesichert werden können, erklärte die Telekom. Außerdem sagte der Konzern zu, bis Ende 2008 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Bei dem Kündigungsmoratorium bleibt es auch, versicherte Ricke. Der Stellenabbau soll mit anderen Mitteln realisiert werden: Durch Altersteilzeit, durch Abfindungen, die ein freiwilliges Ausscheiden aus dem Unternehmen attraktiv machen, durch Vorruhestandsregelungen für Beamte. Insgesamt 3,3 Milliarden Euro will sich die Telekom das Dreijahresprogramm kosten lassen.

Ricke begründete den massiven Stellenabbau mit dem weltweiten Umbruch der Branche, der rasanten technologischen Entwicklung, aber auch "besonders dem regulierungsbedingt harten Wettbewerb im Festnetz- und Breitbandbereich in Deutschland". Deshalb will er den Konzern nicht nur weiter abspecken, sondern auch etwa 6000 neue Leute einstellen, die besser zu den künftig anfallenden Aufgaben passen als das alte Personal. Ricke drohte zugleich mit dem Wegfall weiterer 5000 Stellen, sollten Entscheidungen der Bundesnetzagentur den Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes aus Telekom-Sicht unattraktiv machen.

Besonders die Festnetzsparte T-Com bekommt den Wettbewerb zu spüren. Die Konkurrenz durch andere Festnetzbetreiber hat die Kosten für Telefongespräche - aber auch die Umsätze der Telekom - sinken lassen. Folgerichtig konzentrieren sich Rickes Sparbemühungen auf die T-Com. 20 000 Stellen sollen hier wegfallen, weitere 5500 bei dem Unternehmens-Dienstleister T-Systems sowie 1500 Stellen im zentralen Verwaltungsbereich des Konzerns. Da Stellen teilweise mit mehr als einem Mitarbeiter besetzt sind, müssen bis Ende 2008 insgesamt rund 32 000 Beschäftigte die Telekom verlassen. Darin eingeschlossen sind 7000 bereits bei der Beschäftigungsgesellschaft Vivento geparkte Kräfte. Zugleich sollen etwa 6000 Arbeitskräfte neu eingestellt werden, weitere 2000 neue Stellen werden konzernintern aufgefüllt.

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