Telekom-Manager müssen nicht vor Gericht

- Bonn - Die Bonner Staatsanwaltschaft erhebt nach fast fünfjährigen Ermittlungen keine Anklage gegen Verantwortliche der Deutschen Telekom, obwohl sie von einer überhöhten Immobilienbewertung vor dem ersten Börsengang 1996 ausgeht. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Falschbewertung von Immobilien und des Kapitalanlagebetrugs seien eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Bonn mit.

Es bestehe zwar ein "hinreichender Tatverdacht". Eine Anklage sei aber aus verschiedenen Gründen "nicht geboten" gewesen. Den sechs Beschuldigten wurde auferlegt, Geldbeträge zwischen 20 000 und 250 000 Euro an die Staatskasse zu zahlen.<BR><BR>Ungeachtet der Einstellung der Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft von einer überhöhten Immobilienbewertung bei der Telekom aus. Im Jahr 1995 und in den Folgejahren bis 1997 sei der Wert der Immobilien um mehr als 2 Milliarden Mark überhöht angesetzt und bilanziert worden. "Durch diese Angaben sind die Verhältnisse des Unternehmens in den Bilanzen und im Börsenprospekt von November 1996 in strafrechtlich relevanter Weise falsch dargestellt worden."<BR><BR>Der Entscheidung zur aus juristischen Gründen vorerst noch vorläufigen Einstellung des Verfahrens lägen mehrere "Sacherwägungen" zu Grunde, begründete die Staatsanwaltschaft ihr Vorgehen. Die Vorgänge lägen mehr als zehn Jahre und die letzten vorwerfbaren Handlungen lägen sieben Jahre zurück. Nach bereits fast fünfjähriger Ermittlungsdauer mit schwerwiegenden persönlichen Belastungen für die Beschuldigten hätte sich ein zeit- und kostenaufwendiger Strafprozess über Jahre hinziehen können. Auch eine absolute Verjährung hätte dann erreicht werden können. Ein anderes als das jetzige Ergebnis wäre auch "nicht zu erwarten".<BR><BR>Im Visier der Staatsanwaltschaft hatte vor allem der frühere Telekom-Finanzvorstand Joachim Kröske gestanden. Die Telekom, die selbst stets erklärte, alle strafrechtlichen Vorwürfe seien unbegründet und die Einstellung der Ermittlungen positiv aufnahm, erklärte sich zu einer gemeinnützigen Zahlung von 5 Millionen Euro bereit. Die betroffene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft will 250 000 Euro zahlen.<BR><BR>Bei dem Verfahren ging es um den Verdacht der Falschbilanzierung für die Jahre 1995, 1996 und 1997 und des Kapitalanlagebetrugs beim Prospekt zur Börseneinführung der Telekom 1996. Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche bereits die übrigen Ermittlungen zur Bewertung der Telekom-Immobilien für die Jahre 1998 bis 2000 sowie auch gegen Ex-Vorstandschef Ron Sommer komplett eingestellt. In diese Zeit fielen der zweite (1999) und der dritte Börsengang (2000).<BR><BR>Beim jetzigen Fall ging es um die Bewertung von rund 35 000 Grundstücken und Gebäuden, die Eingang in den ersten Börsenprospekt 1996 fand. Die Telekom hatte 2001 selbst Wertberichtigungen in Höhe von 3 Milliarden Euro auf ihr Immobilienvermögen vorgenommen.<BR><BR>Auch nach Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen halten Anleger an ihrem zivilen Schadensersatzprozess fest. "Ich bin fest überzeugt, dass das Frankfurter Landgericht eigenständig entscheiden wird", sagte Peter Gundermann von der Kanzlei Tilp. Vor dem Frankfurter Gericht klagen etwa 15 000 Anleger wegen ihrer Kursverluste nach dem Kauf von Telekom-Aktien und wegen unrichtiger Angaben in Börsenprospekten. In einem Pilotprozess verhandelt das Gericht seit November 2004 über zehn Fälle. Die nächste Verhandlung ist für den 25. Oktober anberaumt.

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