Tempelbau in der 40. Generation

- Der buddhistische Shitennoji-Tempel im japanischen Saitama ist über 1400 Jahre alt. Und es gibt ihn heute noch. Das Unternehmen, das ihn erbaut hat, auch. Kongo Gumi ist das älteste Familienunternehmen der Welt, es wurde 578 gegründet und ist heute in der 40. Generation immer noch in der Hand der Familie Kongo. Auch wenn an dieses Alter kaum ein Unternehmen, schon gar kein Familienbetrieb, herankommt: Auch in Europa und Deutschland gibt es Familienunternehmen mit langer Tradition.

<P>Unter den 100 ältesten Familienbetrieben der Welt, die das US-Magazin Family Business zusammengestellt hat, finden sich auch große Konzerne wie zum Beispiel der japanische Mischkonzern Sumitomi. Manchmal merkt man den Unternehmen ihr Alter auf den ersten Blick kaum an: Vielen sind das "Schweppes-Gesicht" des britischen Getränkeherstellers Schweppes, seit 1969 Cadbury-Schweppes, aus der Werbung und die Kikkoman-Sojasauce vom chinesischen Trend-Restaurant bekannt. Auch diese beiden gehören zu den 100 ältesten Familienunternehmen. Kikkoman wurde 1630 gegründet, Schweppes 1783.<BR>Meist sind es aber kleine Unternehmen, die auf eine besonders lange Tradition zurückblicken. Viele sind Hotels, Weinproduzenten, Brauereien, Goldschmieden oder Papierproduzenten. Der erste europäische Vertreter findet sich auf Rang drei: der französische Weinhersteller Château de Goulaine wurde im Jahr 1000 gegründet. <BR><BR>"Friede ernährt, Unfriede zerstört" Carl Miele</P><P>Das deutsche Familienunternehmen mit der längsten Geschichte ist wohl das Pilgrimhaus in Soest, eine Gaststätte mit Hotel. Das Pilgrimhaus feiert in diesem Jahr seinen 700. Geburtstag und liegt damit auf Platz sechs. Das älteste bayerische Familienunternehmen könnte die Glasmanufaktur Poschinger aus dem niederbayerischen Frauenau sein. Sie wurde 1568 gegründet. Fast ebenso lang - seit 1596 - gibt es den Schuhspezialisten und einstigen königlichen Hoflieferanten Ed. Meier, der laut der Liste Münchens ältester Familienbetrieb ist.<BR><BR>"Der Vater erstellt's, der Sohn erhält's, den Enkeln zerfällt's", heißt es im Volksmund. Und dieser Spruch kommt offenbar nicht von ungefähr: "Familienunternehmen haben in der Regel eine kurze Lebensdauer, sie sind oft recht labile Gebilde", erklärt Peter May, der eine auf Familienunternehmen spezialisierte Beratungsfirma in Bonn gegründet hat. Bis in die dritte Generation schaffen es gerade einmal vier Prozent. Größter Stolperstein ist die Nachfolge: Die Nachfahren von Pionieren wie Robert Bosch und Gottlieb Daimler scheiterten als Unternehmer, die Firmen sind längst nicht mehr in der Hand der Gründerfamilie. Deutschlands größte eigentümergeführte Unternehmen wie Aldi, Bertelsmann, Oetker und Tengelmann sind noch relativ jung.<BR><BR>Auch Konflikte bei der Regelung der Nachfolge können für Familienunternehmen tödlich sein. Im originalgetreu erhaltenen Büro von Carl Miele steht deshalb geschrieben: "Friede ernährt, Unfriede zerstört".<BR><BR></P>

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