Kurz vor der Bundestagswahl

Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Gutachten deckt versteckte Kosten auf

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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Die Einführung eines Tempolimits gilt als kostengünstiges Werkzeug für mehr Klimaschutz. Ein Gutachten der Uni Magdeburg hat nun verdeckte Kosten aufgedeckt.

Magdeburg – Der Wahlkampf geht in die Endphase. Diesen Sonntag wählen die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik eine neue Regierung für die kommenden vier Jahre. Diese könnte dann wegweisenden Beschlüsse auf den Weg bringen, um den Klimawandel zu bekämpfen. So sprechen sich Grüne und SPD unter anderem für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen aus und wollen, dass ab 2030 keine Autos mit Verbrennermotoren mehr zugelassen werden dürfen.

Gerade das Tempolimit wird hierbei gerne als kostengünstiges Mittel angebracht, das eine sofortige Auswirkungen auf die CO2-Belastung mit sich bringen würde. Vertreter von CDU, FDP und AfD stemmen sich jedoch gegen ein Tempolimit und bezweifeln die Vorzüge in der Realität. Die FDP hat deswegen ein Kurzgutachten bei der Universität Magdeburg in Auftrag gegeben, das nun veröffentlicht wurde.

Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Gutachten deckt versteckte Kosten bei Einführung auf

Ein Gutachten der Uni Magdeburg beschreibt die verdeckten volkswirtschaftlichen Kosten, die ein Tempolimit mit sich bringen könnte.

In diesem ist die Rede davon, dass staatliche Markteingriffe verstecke Kosten mit sich bringen würden, die deutlich über den Kosten einer marktwirtschaftlichen CO2-Bepreisung liegen würden. Das berichte welt.de. „Das Ordnungsrecht ist nicht nur notorisch intransparent und erzeugt verdeckte, hohe Belastungen, sondern es führt auch tendenziell zu einem hohen Maß an Ungerechtigkeit“, erklärt Professor Joachim Weimann, der Autor der des Gutachtens. So würden unter anderem vor allem Besserverdienende von Subventionen – zum Beispiel für Elektroautos – profitieren, was zu einer erheblichen Umverteilung beitragen würde.

Aber auch bei vermeintlich kostengünstigen Tempolimit würden versteckte Kosten, sogenannte „implizite CO2-Preise“, anfallen. Diese werden im Gutachten wie folgt berechnet: Ein Pendler, der seine tägliche Wegstrecke von 60 Kilometern mit 150 km/h auf der Autobahn zurücklegt, würde durch ein Tempolimit von 120 km/h auf das ganze Jahr gesehen 40 Stunden an Zeit verlieren.

Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Versteckte Kosten - 1200 Euro im Jahr pro Pendler

Bei einem Stundensatz von 30 Euro würde die Gesellschaft Arbeitsleistung im Wert von 1200 Euro pro Jahr verlieren. Dadurch würden sich Kosten von 1346 Euro pro eingesparte Tonne CO₂ ergeben, berechnet das Gutachten. „Das ist annähernd das 30-fache der Vermeidungskosten, die gegenwärtig im Europäischen Emissionshandel zu entrichten sind.“

Doch es gibt auch kritische Stimmen mit Bezug auf das Gutachten. So gab der Ökonom Christian Traxler gegenüber der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf diese Art von Berechnungen an, es sei „völlig überzogen und in der Fachliteratur unüblich“, den vollen Bruttolohn für diese Stunden zu verwenden. Ebenso wird bemängelt, dass eine mögliche Reduzierung der Staugefahr durch ein Tempolimit nicht berücksichtigt wird. (fd)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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